FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014. Oberligameister 2015, 2018

REGIONALLIGA

"DER FSV OPTIK GEHÖRT VOLL DAZU"

Nach dem Lok-Spiel haben wir uns mit dem MDR-Kommentator Eik Galley über Optik Rathenow und die Regionalliga unterhalten.

Herr Galley, was bedeutet die Regionalliga Nordost für den MDR und für Sie persönlich?

Die Regionalliga Nordost ist für den MDR ein wesentlicher Teil der Sportberichterstattung (neben der 2. Bundesliga und der 3. Liga). Optik Rathenow sagt nicht umsonst, das ist unsere „Champions League“. Die Regionalliga ist wichtig, gerade in der Corona-Zeit hat sich das nochmal herausgestellt. Wir haben in letzter Zeit unheimlich viele Live-Spiele aus der Regionalliga übertragen und das mit unglaublichen Quoten. Damit hätte niemand gerechnet. Wir haben im „Sport im Osten“-Live zweistellige Einschaltquoten mit der Regionalliga erzielt. Und die Regionalliga ist jetzt durch den Abstieg von Mannschaften, die wir eigentlich in der 3. Liga erwartet hatten, wie Jena, Chemnitz oder Lok Leipzig, ein wichtiger Bestandteil für den MDR. Zudem ist es unglaublich, dass mit Carl Zeiss Jena und Lok Leipzig in der Regionalliga zwei Europapokal-Finalisten spielen. Viele Vereine wollen in der Liga Fuß fassen und vielen Vereinen gelingt es über Jahre hinweg nicht, trotz vieler Bemühungen. Um so erstaunlicher ist es, welche Vereine sich in der Liga wiederfinden.

Kommen Sie gerne nach Rathenow?

Ja, ganz sicher. Wir vom MDR sind immer gerne hier, auch wenn es nicht unser Sendegebiet ist. Wir sind hier gerne zu Gast, vor allem natürlich wenn Vereine aus dem Sendegebiet hier spielen. Wir verfolgen gerne positive Geschichten. Unsere Sendung heißt ja nicht umsonst „Sport im Osten“, denn wir fühlen uns zum Beispiel auch für Hansa Rostock mitverantwortlich, und somit gehört auch Rathenow zu unserem Themenfeld und deswegen sind wir sehr gerne hier. Hier wird immer ehrlicher Sport und Kampf angeboten und mit Ingo Kahlisch gibt es auch eine Figur, die man über Ländergrenzen hinweg kennt. Nicht umsonst ging das Interview, das er zuletzt nach der 1:4-Niederlage gegen Auerbach gegeben hat, bundesweit medial durch die Decke und war legendär. Und da freuen wir uns natürlich drüber.

Welche Chancen bietet die Berichterstattung des MDR für kleine Vereine wie dem FSV Optik Rathenow?

Viele Städte bemühen sich um einen Fußballverein, der möglichst hochklassig spielt. Da werden auch unglaublich hohe Investitionen getätigt. Denn Fußball hat eine verbindende Kraft, erstmal für die Region selbst. Fußball schafft Identität und zudem ist er eine riesige Wirtschaftskraft. Nicht umsonst werden überall große Stadien gebaut, weil Städte erkennen, der Fußball bringt Geld in unsere Kommune und bietet außerdem noch eine große Möglichkeit, sich darzustellen. Es gibt ganz simple Parameter. Wir haben in unser Sendung „Sport im Osten“ eine durchschnittliche Zuschauerzahl von 300.000 Leuten. Jedes Mal gibt es eine Tabelle, in der Städte benannt werden, nach Einwohnerzahl. Es gibt bei uns Traditionsvereine, die sich lange bemüht haben, z.B. Plauen, Erfurt, Gera, Lutherstadt Wittenberg. Das sind alles Städte mit einer größeren nationalen Ausstrahlung. Und diese Städte spielen nicht Regionalliga. Das träfe auch für den Brandenburger Raum zu. Wenn wir zum Beispiel Brandenburg, Eberswalde, Neuruppin, Schwedt, Frankfurt/O. oder Eisenhüttenstadt nehmen, sind das alles größere Städte, die froh wären über einen Regionallisten, die froh wären, wenn Lok Leipzig, Carl Zeiss Jena oder der Chemnitzer FC dort spielen würden. Auch Mecklenburg-Vorpommern mit Schwerin, die versucht haben mit dem FC Mecklenburg Schwerin auf die Füße zu kommen, Greifswald - wo der Vater von Toni Kroos arbeitet, die wollen alle in die Regionalliga und schaffen es nicht. Und Optik Rathenow ist seit vielen Jahren Bestandteil dieser Liga und darauf kann man hier in Rathenow stolz sein.

Herr Galley, Sie kommen viel herum, besonders im ostdeutschen Raum. Wie wird der FSV Optik Rathenow überregional wahrgenommen?

Optik Rathenow ist letztlich ein Verein, der durch seine klare Struktur und Aussage, für uns ist die Regionalliga die „Champions League“, eine klare Marke setzt. Und ich vergleiche Optik gerne mit Vereinen wie dem ZFC Meuselwitz. Für mich ist Meuselwitz eine der Erfolgsgeschichten im ostdeutschen Fußball schlechthin. Der Ort liegt zwischen Zeitz und Altenburg, wo schon historisch immer Fußball gespielt wurde und jetzt ist Meuselwitz seit Jahren dieser Kern mit solider dauerhafter Arbeit. Und das kann man im Prinzip genauso auf Rathenow beziehen. Es gab Stahl Brandenburg, Vorwärts Frankfurt oder Stahl Eisenhüttenstadt mit historischer Bedeutung, und was ist jetzt übrig? Jetzt gibt es Duelle zwischen Babelsberg, Energie Cottbus und Optik Rathenow. Der FSV Optik gehört voll dazu. Da fragt niemand mehr danach. Und die anderen Vereine und Städte wären hundertprozentig gerne auf dieser Ebene dabei.

Drücken Sie als gebürtiger Zossener den brandenburgischen Vereinen die Daumen?

Ich bin sehr lange im Fußball unterwegs und bin mit sehr vielen verbunden. Mit dem Daumen drücken ist das so eine Sache. Man kommt irgendwo hin und trifft sympathische Menschen. Ich möchte nicht, dass Optik absteigt. Aber wir als Journalisten müssen auch eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. Dass ich mich als gebürtiger Brandenburger freue, wenn so ein Verein wie Optik Rathenow spielt und Heimatgefühle aufkommen, ist auch logisch.

Herr Galley, vielen Dank für das Interview und bis zum nächsten Mal in Rathenow. Vielleicht gegen den FC Carl Zeiss Jena?

Das wäre denkbar.

Der komplette Stream vom Lok-Spiel


Zur Person Eik Galley:
- seit 2007 Sportreporter und -kommentator für die ARD Sportschau und MDR Sport im Osten
- Galley war Teil des ARD-Kommentatorenteams bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver, 2014 in Sotchi und 2018 in Pyeongchang; Sommerspiele 2012 in London, 2016 in Rio de Janeiro
- Reporter bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland 2018