NUR DAS ERGEBNIS STIMMTE NICHT
Diszipliniert, leidenschaftlich und ordentlich spielend - Im Spiel gegen den Tabellenzweiten zeigte der FSV Optik eine gute Leistung. Dennoch stand man am Ende wieder einmal mit leeren Händen da. Der Phrasenschwein-Satz "Wenn du erst mal unten stehst..." wurde dem Gastgeber auf brutale Weise deutlich gemacht.
Eine interessante Konstellation gab es im taktischen Bereich. Erstmals in dieser Saison trat ein Gast am Vogelgesang mit drei Stürmern an. Das brachte den Athleten zu Beginn zwar einige Ecken, aber kaum Torgefahr. Nach spätestens zehn Minuten sah man, wie die Partie laufen wird: Lange, schöne, aber völlig unproduktive Ballstaffetten der Hauptstädter, dann ein Zweikampf und sofort der schnelle Rathenower Gegenstoß. Das führte zu besten Möglichkeiten.
Einen Kopfball vom diesmal als Sturmspitze aufgebotenen Süleyman Kapan entschärfte Marcel Höttecke in artistischer Manier. Dann ein Direktschuss von Egzon Ismaili aus spitzem Winkel - vorbei. Auf der Gegenseite hatte Selvedin Begzadic keine einzige Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Die Versuche der Berliner flogen allesamt am Gehäuse vorbei.
Aufregend wurde es in der Schlussphase der ersten Hälfte. Zunächst kam Sebastian Huke nach einer Ecke aus Nahdistanz frei zum Kopfball. Bis auf die kleine, aber lautstarke Gruppe der BAK-Fans jubelte das ganze Stadion bereits. Zu früh! Auf den Tribünen vermutete man schon ein "Antiphantomtor", also rein und durch ein Loch im Netz wieder raus, aber das Leder war tatsächlich nicht drin. Sekunden vor dem Pausenpfiff gab es dann eine knifflige Szene für Oliver Lossius aus Sondershausen. Atakan Yigitoglu senste als letzter Mann Süleyman Kapan um. Der Unparteiische, der versuchte, das Spiel so wenig wie möglich zu unterbrechen, und diese Linie auf beiden Seiten konsequent durchzog, beließ es bei Gelb.
Nach dem Seitenwechsel gab es das selbe Bild. Berlin mit mehr Ballbesitz, Rathenow zielstrebiger und konsequenter. Dann kam jene zu Beginn angeprochene Szene. Kapan lupfte einen Kopfball über den chancenlosen Höttecke. Als Mitglied eines seit sechs Spielen sieglosen Teams musste er mit ansehen, wie das Leder an die Latte klatschte. Im Gegenzug empfahl sich Omid Saberdest für Sotschi 2014. Im Stile eines Slalomläufers umkurvte er die gesamte Defensive. Seine Eingabe fand den Fuß von Serhat Akin, der zum 0:1 vollendete. Das klappt halt nur, wenn eine Mannschaft oben steht.
Optik machte unverdrossen weiter, kein Ball wurde verloren gegeben. Der BAK, der kürzlich gegen Union II einen Zweitorevorsprung verspielt hatte, verzichtete fast gänzlich auf Konter, stand dafür aber in der Abwehr - bis auf kleine Unsicherheiten bei Rückspielen auf Torhüter Marcel Höttecke - sicher. Kurz vor dem Abpfiff die einzige wirklich hässliche Szene des Spiels, als Emre Turan sich zu einem üblen Tritt gegen Onur Uslucan hinreißen ließ. Er war mit Gelb sehr gut bedient. Auch diesen letzten Freistoß überstanden die Gäste. So gab es am Ende viel Applaus, aber erneut keine Punkte für den FSV Optik. (Detlev Nießner)
Engin Yanova: "Ich habe immer viel Respekt, wenn es nach Rathenow geht, denn ich habe hier als Trainer bisher noch nie gewonnen. Das war das erste Mal heute, weshalb ich auch sehr glücklich bin. Ich weiß um die Taktik und die Heimstärke von Optik. Das haben wir ja insbesondere in der ersten Halbzeit gesehen, wie sie den Raum eng gemacht haben und uns dann auch sehr schwer das Offensivspiel ermöglicht haben. Mein Vorwurf für die erste Halbzeit war, dass wir ein bisschen seelenlos gewirkt haben, dass wir zwar mit dem Ball ein bisschen Spielen wollten, uns aber auch zu sehr unsere spielerische Qualität verlassen haben, trotz der Bodenverhältnisse, die ein technisches Spiel eigentlich nicht zugelassen haben. Die Ansprache war auch deutlich. So ging es vor allem um mehr Seele, mehr Leidenschaft und vor allem um ein besseres Nachvornespielen. Das haben wir ansatzweise in der zweiten Halbzeit besser gemacht und so haben wir uns auch belohnt. Zum Schluss hat die Mannschaft natürlich auch aufopferungsvoll gekämpft, um nicht nochmal so eine Erfahrung wie gegen Union zu machen, wo man in der letzten Sekunde noch einen Treffer kassiert. So blieb die Null hinten, was sehr erfreulich ist, nach den zwei Spielen, in denen wir jeweils zwei Tore kassiert haben. Das war heute ein sehr wichtiger Sieg, obwohl wir vielleicht nicht unser bestes Spiel gezeigt haben."
Ingo Kahlisch: "Ich bin überhaupt nicht zufrieden. So wie der Spielverlauf war, müssen wir ein, zwei Tore machen und dann haben wir auch einen Punkt oder auch drei. Fußball ist ergebnisorientiert, das ist nun mal so. Der BAK hatte als Spitzenmannschaft hier nur eine echte Chance. Aber das ist clever, das gehört einfach mit dazu. Wir hatten in der ersten Halbzeit drei, vier gute Möglichkeiten aus Kontern. Es war natürlich klar, dass wir sportlich keinen offenen Schlagabtausch anbieten können. Die Leistung war ok, aber wenn man verliert, kann man nicht zufrieden sein. Und wenn man soviele Möglichkeiten auslässt, dann müssen wir uns eigentlich mal hinterfragen. Wenn wir das nicht so schnell wie möglich ändern, dann fehlen am Ende die Punkte, die wir brauchen, um die Liga zu halten. Wir hatten einen Punkt verdient, aber danach geht es im Fußball nicht."
Bilder vom Spiel
rbb-Bericht
Rathenow: Begzadic - Bahr, Coric, Wilcke, Kesavan - Regulski (83. Uslucan), Hellwig (G) - Huke (70. Owczarek), Cankaya, Ismaili (70. Turhan) - Kapan
Berlin: Höttecke - Lichte, Turan (G), Yigitoglu (G), Cepni - Siemund (G), Kruschke (G), Cubukcu - Soltanpour (88. Russow), Akin (70. Popow), Saberdest (85. Teichmann)
Tor: 0:1 Akin (59.)