AUF GANZER LINIE ENTTÄUSCHT
Da waren alle ratlos. Auf die Frage, wann der FSV Optik letztmalig fünf Punktspiele in Folge verloren hat, wusste niemand eine Antwort. "Ich bin erstmal maßlos enttäuscht, ist ja logisch." Ingo Kahlisch begann sein Statement so, wie auch die Gefühlslage von fast allen Zuschauern am Ende war. Ein Fan kam aus Auerbach, der war natürlich happy.
Eine Veränderung gab es im Vergleich zur Vorwoche. Der genesene Jerome Leroy stand wieder in der Startelf. Es begann denkbar schlecht für Optik. Einen als Flanke gedachten Ball von Manuel Hoffmann ließ Marcel Subke durchrutschen und schon stand es 0:1. "Ich war mit den Haarspitzen am Ball", reklamierte Jiri Jedinak den Treffer für sich. Schiedsrichter Felix-Benjamin Schwermer, der übrigens auch vom Verlierer für seine Leistung gelobt wurde, erkannte aber so wie alle im Stadion Hoffmann als Schützen.
Nach dem Rückstand entwickelte sich ein durchaus munteres Spiel. Es sah nicht unbedingt so aus, als ob der FSV als Verlierer vom Platz gehen wird. Ein guter Pass von Murat Turhan brachte Hakan Cankaya freie Bahn zum Tor. Keeper Markus Dölz parierte ganz stark. Die Gäste, robust, zweikampfstark und teilweise bei Laufduellen mehr bereit, bis an die Schmerzgrenze zu gehen, wurden des öfteren durch Marcel Schuch gefährlich. Bei Optik ballerte Sebastian Huke aus vollem Lauf vorbei und Süleyman Kapan zögerte kurz vor der Halbzeitpause einen Tick zu lange.
Mit einem Doppelwechsel wollte Ingo Kahlisch für mehr Torgefahr sorgen. Die gab es erst mal im eigenen Strafraum, als Philipp Kötzsch einen Freistoß an die Latte hämmerte. Auch noch in die Anfangsviertelstunde fielen zwei gute Rettungstaten von Marcel Subke gegen Marcel Schuch und den ungemein agilen Kevin Hampf. Ohne jede Abwehrchance war der Keeper aber nach gut einer Stunde, als Jiri Jedinak nach einem Eckball ungehindert einköpfen durfte.
So ganz kampflos ergeben wollte sich Optik dann aber doch nicht. Schon beim Schuss von Sebastian Huke hatte Markus Dölz Mühe, wenig später stand es 1:2. Ein sehr platzierter Kopfball von Murat Turhan brachte den Anschluss. Turhan war es auch, von dem eine wirklich gut gemachte Kombination ausging, die fast zum Ausgleich geführt hätte. Kevin Owczarek brachte das Leder scharf nach innen, wo Huke nur um Sekundenbruchteile am Ball vorbeirauschte.
Da Optik da längst "Alles oder nichts" spielte, war diese Szene allerdings eingebettet in Konter, bei denen Manuel Hoffmann, Marcel Dressel und Roy Blankenburg reihenweise an Subke scheiterten. Tragisch, dass vom Rathenower Torwart aber vor allem die Szene aus der Anfangsphase in Erinnerung blieb. Zu allem Unglück musste kurz vor Schluss auch noch der schon verwarnte Majuran Kesavan, der zumindest eine ordentliche Leistung bot, berechtigt mit Gelb-Rot vom Platz. Der nächste Ausfall im ohnehin schon dezimierten Kader. (Detlev Nießner)
Andreas Richter: "Wir sind hergefahren mit dem Wissen, dass es ein schweres Spiel für uns werden wird, wollten aber nach den drei verlorenen Spielen den Bock hier umstoßen und gewinnen oder ein positives Ergebnis, sprich – einen Punkt, mitnehmen. Das ist uns Gott sei dank auch gelungen. Wir sind, nach den zwei Klatschen gegen Jena und Union, erleichtert. Ich denke, dass die Mannschaft sich das verdient hat."
Ingo Kahlisch: "Erstmal Glückwunsch zum, denke ich, verdienten Sieg über 92 Minuten. Ich bin maßlos enttäuscht, das ist ja logisch. Wir haben gewusst, dass das eine kompakte starke Männermannschaft ist, aber wie wir uns teilweise körperlich präsentiert haben, ist schon recht schwierig. Und der Torwartfehler zum 0:1, zum wiederholten Male, hat Auerbach natürlich auch in die Karten gespielt. Nach hinten raus haben wir es nochmal ein bisschen versucht. Trotzdem war mir das zu wenig von der Präsenz. Jetzt sind wir da angekommen, wo wir hingehören, wo wir aber nicht hin wollten. Zumal wir dachten, wir sind schon einen Schritt weiter. Aber so ist es im Fußball und nun müssen wir die Arschbacken zusammenkneifen und fighten."
Rathenow: Subke - Bahr (46. Wilcke), Coric, Cetin, Kesavan (86. G/R) - Leroy (G), Tsiatouchas (46. Regulski) - Huke, Cankaya (68. Owczarek), Kapan - Turhan
Auerbach: Dölz - Hampf (G), Paul, Otte, Häußler - Kötzsch (81. Bocek) - Hoffmann, Jedinak, Wemme (72. Blankenburg), Paradies (75. Dressel) - Schuch
Tore:
0:1 Hoffmann (6.)
0:2 Jedinak (65.)
1:2 Turhan (77.)