WIEDER K.O. KURZ VOR SCHLUSS
Gegen gelb-rot-dezimierte Gastgeber gelang Sebastian Huke zwar in der 83. Minute der 1:1-Ausgleich, doch zwei Minuten vor Abpfiff fingen sich die Rathenower nach einem umstrittenen Freistoß noch das 1:2.
Wie sich die Bilder glichen. Wieder spielte Optik gegen eine Mannschaft in Blau-Weiß, wieder geriet der Kontrahent vor der Pause in Unterzahl. Ein Gegentor per Handelfmeter war dabei und der Treffer zur 1:2-Niederlage fiel auch wieder kurz vor Schluss. Vor allem aber: "Zum vierten Mal in dieser Saison wurde in einer entscheidenden Situation gegen uns entschieden. Das ist in dieser Form nicht mehr zumutbar!", ärgerte sich Ingo Kahlisch.
Die Fans beider Lager warteten gespannt auf die Aufstellung. Bei den Gastgebern waren es letztendlich sechs aus dem Profibereich, wobei Maik Franz, Ben Sahar und Peer Kluge des öfteren im Bundesligakader stehen. Ingo Kahlisch überraschte mit Benjamin Wilcke in der Innenverteidigung und dem schnellen Majuran Kesavan außen. Das klappte ganz ordentlich. In der 19. Minute gab es eine Offensivaktion von Ben Sahar, die Marcel Subke aber nicht vor Probleme stellte. Da hatte der FSV schon zwei Ecken zu Buche stehen.
Nach noch nicht mal einer halben Stunde unkten die ersten Tribünenbesucher: "Der bringt das nicht mit elf gegen elf zu Ende." Gemeint war Schiedsrichter Andreas Becker aus Kritzmow, der sehr, sehr kleinlich pfiff und schnell mit Verwarnungen dabei war, dies aber erstmal auf beiden Seiten. Bei der ersten kniffligen Situation lag er richtig. Den ersten Eckball der Herthaner wehrte Benjamin Wilcke mit der Hand ab. Strafstoß und Gelbe Karte waren berechtigt, es gab auch weder Proteste noch Diskussionen auf dem Platz. Ben Sahar verwandelte sicher zum 1:0.
Die Rathenower intensivierten ihre Angriffsbemühungen, doch mehr als ein Freistoß vom stark spielenden Onur Uslucan, am Tor vorbei, sprang erst mal nicht heraus. Dann kam die Nachspielzeit. Es gab noch einen Freistoß für Optik. Murat Turhan traf zwar nur die im Strafraum stehende Mauer, aber auch hier gab es deutlich sichtbar ein Handspiel. Der Pfiff kam sofort und auch hier zog der Referee die Karte. Da Übeltäter Fanol Perdedaj aber schon verwarnt war, erhielt er Gelb-Rot, womit die Experten auf den teuren Sitzen sich bestätigt sahen. Dann aber nahm Herr Becker zum Entsetzen der Gäste den Ball und legte ihn vor der Strafraumgrenze wieder ab.
Er habe ja gar kein Handspiel gepfiffen - der Berliner Spieler sei zu früh aus der Mauer getreten und daher wegen Unsportlichkeit vom Platz gestellt worden, erklärte der Schiedsrichter Ingo Kahlisch beim Gang in die Kabinen. Als es 15 Minuten später den umgekehrten Weg ging, wurde der diesmal als Kapitän fungierende Jerome Leroy vom Schiri informiert, dass dieser während der Pause beschlossen habe, den FSV-Trainer wegen Reklamierens auf die Tribüne zu verbannen. Dort war er aber nur kurz, verbrachte die zweite Hälfte dann im Gäste-Fanblock.
Im Unterschied zum Magdeburg-Spiel eine Woche zuvor, wurde in Berlin deutlich, wer in Überzahl agiert. Rathenow zeigte sich nach dem Wechsel deutlich feldüberlegen. In der 49. Minute setzten die Optikfans unter den offiziell 291 Zuschauern schon zum Jubeln an, doch mit einer Glanzparade drehte Philip Sprint den Kopfball von Süleyman Kapan um den Pfosten. Danach blieben klare Gelegenheiten lange aus. Die Hertha-Reserve verteidigte geschickt den Vorsprung, konnte selbst aber keine Akzente mehr setzen. Bemerkenswert vielleicht die Aktion von Tobias Hasse. Seiner Direktabnahme fehlten zwar einige Meter Genauigkeit, aber es war im gesamten Spiel der einzige Versuch eines Nichtlizenzakteurs auf Seiten der Blau-Weißen.
Eine akustische Überraschung gab es bei der Einwechslung von Kevin Owczarek, der offenbar einen eigenen Fanclub mit ins Stadion gebracht hatte. Aber nicht nur auf den Rängen, auch auf dem Rasen sorgten die Wechsel für frischen Wind. Immer offensiver wurde Optik, immer höher dabei natürlich auch das Risiko. Die gefürchteten Konter der Hauptstädter wurden nicht konsequent ausgespielt, ein zweites Tor deutete sich in keiner Phase an. Das längst fällige 1:1 fiel dann in der 83. Minute auf höchst ungewöhnliche Weise. Einen weiteren Konter hatte Onur Uslucan per Befreiungsschlag geklärt. Ausgerechnet der bundesligaerfahrene Maik Franz lief als einziger nicht heraus und hob damit das Abseits auf. So hatte Sebastian Huke freie Bahn und traf überlegt zum umjubelten Ausgleich.
Nun zeigte sich jedoch auch, dass in der FSV-Defensive wichtige Leute fehlten. Zwei Minuten vor dem Abpfiff fehlte bei einem Freistoß von Fabian Holland die Zuordnung und Robert Andrich traf mit dem Kopf ins äußerste linke Eck zum 2:1. Nicht unerwähnt bleiben darf eine hässliche Szene aus der 90. Minute, die in den Stadien eigentlich nichts zu suchen hat. Egzon Ismaili versuchte mit einem Antritt noch einmal für Torgefahr zu sorgen und wurde dabei von Fabian Holland rüde gefoult. Dafür gab es glatt Rot. Glücklicherweise konnte Ismaili weitermachen, dem Berliner soll hier definitiv auch keine Verletzungsabsicht unterstellt werden. Dass es für den Übeltäter aber beim Abgang (der Weg in die Kabine führt im Amateurstadion direkt über die Tribüne) Jubel und Schulterklopfen gab, zeigt, dass auch in der Hauptstadt Arroganz und Dummheit nicht kleinzukriegen sind.
Als einziger Regionalligist ignoriert Hertha BSC II die NOFV-Auflage, nach den Spielen eine Pressekonferenz abzuhalten. An diesem Tag kam das Ingo Kahlisch eventuell gelegen. Emotionsgeladen, wie er war, wollte er erst mal gar nichts sagen. Später meinte er: "Ich bin enttäuscht, wir haben uns selber nicht belohnt. Nach dem Ausgleich darf das 2:1 so nicht mehr fallen. Wir müssen jetzt aufpassen, man kann auch ganz schnell unten reinrutschen." (Detlev Nießner)
Video
Tore:
1:0 Sahar (33./Handelfmeter)
1:1 Huke (83.)
2:1 Andrich (88.)
Hertha: Sprint - Regäsel, Syhre, Franz, Holland (90. Rot) - Perdedaj(45. G/R), Andrich (G) - Chougourou (76. Obst), Kluge, Hasse (58. Zingu) - Sahar (81. Stephan)
Optik: Subke - Bahr, Coric, Wilcke(G), Kesavan (71. Ismaili/G) - Leroy, Hellwig (G/78. Huke) - Uslucan (G), Cankaya, Kapan (G) - Turhan (66. Owczarek/G)