NICHTS FÜR SCHWACHE NERVEN
"Wir werden wieder aufstehen." Nicht mal trotzig, eher gelassen kommentierte Ingo Kahlisch die erste Niederlage seiner Elf. Besonders ärgerlich wurde das Ganze am frühen Abend, als selbst der MDR-Reporter bei den Fernsehbildern sagte: "Diesen Elfmeter darf man nicht pfeifen."
1600 Zuschauer wollten sich das Spiel gegen den 1. FC Magdeburg nicht entgehen lassen. Zu sehen bekamen sie eine spannende Partie vor toller Kulisse und mit großartiger Stimmung. Auf dem Rasen passierte 20 Minuten lang erst mal nichts. Magdeburg lauerte auf Rathenower Fehler. Die kamen aber nicht. Optik selbst agierte zu Beginn mit enormem Respekt. So ging es zwar hin und her, aber nur im Mittelfeld. Dann setzte Christian Beck mit einem Seitfallzieher ein Ausrufezeichen. Das Leder ging zwar weit über die Latte, aber das Ganze war wie ein Weckruf.
Plötzlich entwickelte sich ein Match, das Kahlisch später als "richtig geiles Regionalligaspiel" kennzeichnete. Dicke Chancen hatten zunächst die Gäste. Lars Fuchs wurde gerade noch so abgeblockt. Und in der 36. Minute zeigte Marcel Subke eine sensationelle Parade beim Kopfball von Beck aus Nahdistanz. Der nächste Magdeburger Angriff wurde abgefangen. Jerome Leroy spielte mit tollem Pass Süleyman Kapan frei, der noch Torhüter Matthias Tischer umkurvte und zum 1:0 einschoss.
Kurz darauf wollte sich Rene Lange einen hohen Ball erkämpfen. Statt dessen traf sein gestreckter Fuß Damir Coric am Kopf. Schiedsrichter Lasse Koslowski zog sofort Rot. Für Coric ging es nach längerer Behandlung glücklicherweise weiter. Sekunden vor der Pause noch ein gefährlicher Aufsetzer von Patrick Bärje, wieder blieb Subke Sieger.
Aus der Pause kamen die Elbestädter zielstrebiger. Ohne Hektik, aber mit enormer Lauf- und Zweikampfbereitschaft gaben sie alles, um das Spiel noch zu drehen. Natürlich ergaben sich dadurch Räume zum Kontern. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn Egzon Ismaili oder wenig später der für ihn eingewechselte Onur Uslucan getroffen hätten. Beide verzogen aus spitzem Winkel denkbar knapp.
Auf der anderen Seite machte es Christian Beck besser. Mit einem unhaltbaren Kopfball ins äußerste Eck gelang ihm nach 70 Minuten der 1:1-Ausgleich. Immer noch war ein Sieg für den FSV möglich. Innerhalb weniger Sekunden scheiterte in einer nun hochdramatischen Partie erst Uslucan an einem unglaublichen Reflex von Tischer. Dann zischte eine Direktabnahme von Jerome Leroy am Pfosten vorbei und gleich darauf blieb Tischer gegen Leroy Sieger.
Dann kam diese ominöse 84. Minute. Eine Hereingabe von rechts wehrte Damir Coric regelgerecht ab, wie die Fernsehbilder bewiesen. Die hatte der Unparteiische natürlich nicht zur Verfügung. So galt seine Entscheidung, und die hieß Handelfmeter. Nico Hammann trat an. Marcel Subke war noch dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. Schon weit in der Nachspielzeit bot sich Optik nochmals die Chance auf einen Treffer. Nach einem Freistoß kam Jerome Leroy zum Schuss, zielte aber zu hoch. Da war auch Rathenow nur noch zu zehnt, weil Mario Delvalle nach einem Foul und anschließendem Ballwegschlagen sowohl Gelb als auch Gelb/Rot sah. (Detlev Nießner)
MDR-Bericht
Andreas Petersen: "Riesenkompliment an meine Mannschaft. Eigentlich lief hier heute alles gegen uns. Mit dem ersten ordentlichen Angriff der Rathenower lagen wir zurück, hatten doch noch ein oder zwei Riesen, wo das Quentchen Glück oder die Entschlossenheit fehlte. Aber zur Halbzeit waren wir uns einig und haben uns gesagt, wenn wir das nicht mit zehn Mann umbiegen, wer dann. Wir sind eine der fittesten Mannschaften der Liga, durch die professionellen Möglichkeiten die wir in Magdeburg haben. Die Bereitschaft war da, wir sind volles Risiko gegangen. Es war ein verdienter glücklicher Sieg des FCM durch viel Moral, Wille, Diszipilin und Geduld. Ich bin überglücklich und stolz auf meine Truppe. In Rathenow werden nicht viele Mannschaften gewinnen, wer hier her kommt, muss sich warm anziehen. Ich wünsche Optik alles Gute, sie sind wirklich eine Bereicherung für diese Liga."
Ingo Kahlisch: "Im vorigen Jahr haben wir noch sang- und klanglos 0:3 verloren. Jetzt, ein Jahr später, muss ich sagen, Kompliment auch an meine Mannschaft, wie wir uns weiterentwickelt haben. Man hat in der zweiten Halbzeit gesehen, dass die Magdeburger körperlich besser und laufstärker waren. Trotzdem hat Onur zweimal das 2:0 auf dem Fuß, wenn da einer reingeht, wird das Spiel natürlich hochinteressant. Wir hätten noch etwas cleverer spielen müssen, nach dem 1:1 hat sich Magdeburg fallen lassen und auf unsere Fehler gewartet. Die haben wir dann auch gemacht, weil wir natürlich schon satt waren, und da ging dann ordentlich die Post ab. Im Großen und Ganzen war das aber ein geiles Regionalligaspiel vor einer super Kulisse. Wir haben zwar verloren, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Wir werden wieder aufstehen."
Rathenow: Subke - Cetin, Delvalle (88. G/R), Coric, Bahr - Leroy, Hellwig (73. Regulski) - Huke(86. Turhan), Cankaya, Ismaili (61. Uslucan) - Kapan (G)
Magdeburg: Tischer - Hammann, Handke, Schiller, Lange (41. Rot) - Bärje (58. Schmunck), Sowislo (69. Teixeira), Puttkammer (G), Vitteritti - Fuchs (73. Nennhuber/G), Beck
Zuschauer: 1601
Tore:
1:0 Kapan (38.)
1:1 Beck (70.)
1:2 Hammann (85./Handelfmeter)