EINDRUCKSVOLL ZURÜCKGEMELDET
Ingo Kahlisch, der den Gegner mehrfach beobachtet hatte, baute ein wenig um. Murat Yilmaz fungierte als einzige Sturmspitze, auf den Außen begannen Dejan Kalan und Benjamin Wilcke. Aus einer felsenfest stehenden Abwehr wurden überfallartige Konter gestartet. Das Konzept ging auf. Beim ersten Angriff setzte sich Benny Wilcke über rechts durch. Seine Eingabe hämmerte Murat Yilmaz an die Latte, der Abpraller fiel Murat wieder vor die Füße und diesmal traf er genau ins Eck zur 1:0-Führung.
Nach gut zehn Minuten das erste Mal Aufregung im Optik-Strafraum. BFC-Torjäger Timur Özgöz setzte einen Kopfball knapp drüber. Während die Himmelblauen noch haderten, stiefelte Wilcke rechts auf und davon. Gleich vier Gegner umdribbelte Benjamin. Als alles mit einem Abspiel auf den erneut mitgelaufenen Yilmaz rechnete, schoss Wilcke direkt und plaziert ins lange Eck.
0:2 nach 12 Minuten, das schockte die Gastgeber doch sichtlich. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken - natürlichen waren die spielstarken Hauptstädter feldüberlegen. Am Ende sollte das Eckenverhältnis bei 10:0 stehen bleiben. Es kam nur nichts dabei heraus. Wie sagte ein stolzer Ingo Kahlisch nach dem Schlusspfiff: "Heute haben meine Jungs gefightet wie Männer."
Wenn es mal gefährlich wurde, war Ümit Ergirdi beteiligt. Er gab nach einer halben Stunde auch die Vorlage zur ersten hundertprozentigen Gelegenheit der Hausherren. Wieder war es Özgöz per Kopf, diesmal fehlten nur Zentimeter. Das galt aber auch für den Versuch von Murat Yilmaz nach klasse Vorarbeit von Dejan Kalan in der 36.Minute.
Dramatik pur in den letzten Sekunden vor der Pause. Erst verzog Benny Wilcke freistehend, dann gab es auf der anderen Seite im Strafraum ein "Flipperspiel." Gleich fünf Schussversuche wurden abgeblockt. Leidtragender war Damir Coric, der benommen vom Platz getragen werden musste. Der Pausenpfiff von Steffen Hösel aus Rövershagen erlöste ihn. Nach längerer Behandlung konnte er weitermachen.
Keine Änderung im Spielverlauf gab es nach dem Wechsel. Viktoria hübsch kombinierend, Optik hochkonzentriert und gnadenlos effektiv. Der erste Freistoß in Strafraumnähe überhaupt brachte nach 54 Minuten das 0:3. Den von Patrik Scholz lang in den Strafraum gezogenen Ball verlängerte Murat Yilmaz mit dem Kopf ins Netz.
Kurz darauf eine tolle Parade von Marcel Subke gegen Norbert Lemcke. Zwischen der 70. und 75. Minute vergaben Hakan Cankaya und Murat Yilmaz bei Kontern, sowie Patrik Scholz per Freistoß die Entscheidung. Statt dessen kam Viktoria zehn Minuten vor dem Ende zum 1:3. Lemcke war im Nachschuss erfolgreich, nachdem Subke zuvor erneut prima pariert hatte.
180 Sekunden später war der dank einiger TeBe-Fans mit über 50 Mann gefüllte Gästeblock nicht mehr zu halten. Nach ganz starker Vorarbeit von Hakan Cankaya erzielte Daniel Pfefferkorn aus der Drehung das 1:4. Sein erstes Pflichtspieltor war zugleich Rathenows 50. Punktspieltreffer der Saison. Und wie es dann meist so kommt - nun klappte alles. Murat Turhan behauptete im Strafraum mit tollem Einsatz das Leder. Seinen Querpass nutzte Hakan Cankaya zu einem Schuss an den Innenpfosten. Beim Stand von 4:1 drehte sich der Ball tatsächlich hinter die Linie.
Dann war Schluss, aber ohne die Zugabe einer "Uffta" kam die Mannschaft natürlich nicht vom Platz. Damit schuf sich der FSV Optik eine hervorragende Ausgangsposition für das Nachholespiel gegen die TSG Neustrelitz, welches am Mittwoch um 19 Uhr beginnt. (D.N.)
Ingo Kahlisch: "Ich muss dieses Spiel erst mal verarbeiten. Ich hab Viktoria in dieser Saison einige Male gesehen und hatte ganz schön Muffensausen, weil das eine richtig gute Mannschaft mit sehr sehr guten Fußballern ist, die sehr schnell und direkt spielen. Und nach der Niederlage gegen Wismar mussten wir uns natürlich erstmal aufrichten. Aber wie wir das hier heute gemacht haben, das war sensationell und freut mich riesig. Wir haben taktisch unwahrscheinlich clever gespielt und gefightet wie die Männer. Auf diese Leistung lässt sich aufbauen, und ich hoffe, dass wir den Schwung mitnehmen können."
Thomas Herbst: "Der Schlüssel des Spiels war denke ich, dass wir so früh in Rückstand geraten sind. So war Rathenow natürlich hochmotiviert und konnte das Spiel aus einer kompakten Defensive angehen. Es ist bitter für uns, dass unsere sonst so zuverlässige Abwehr heute gepatzt hat. Vielleicht wären wir nochmal zurück gekommen, wenn wir vor der Pause den Anschlusstreffer ezielt hätten. Alles in alle haben wir aber eine gute Haltung gezeigt und bis zum Schluss alles gegeben."
Bilder vom Spiel >>
Tore:
0:1 Yilmaz (4.)
0:2 Wilcke (12.)
0:3 Yilmaz (54.)
1:3 Lemcke (80.)
1:4 Pfefferkorn (83.)
1:5 Cankaya (88.)
Aufstellung: Subke - Delvalle Silva, Coric, Scholz, Tröger - Leroy (G/ 78. Tsiatouchas), Hellwig - Wilcke, Cankaya, Kalan (71. Pfefferkorn) - Yilmaz (80. Turhan)