4:0-DERBYSIEG
Schon in der vierten Minute flog ein Kopfball von Murat Turhan nach Freistoß von Vasilios Tsiatouchas knapp über die Latte. Zu einem Offensivfeuerwerk kam es aber nicht. Meist mit acht Mann tief in der eigenen Hälfte stehend, machten die Gäste die Räume ganz eng. Bei eigener Balleroberung wurde das Leder auschließlich lang nach vorn gedroschen, wo beide Spitzen aber auf sich allein gestellt waren. Das Mittelfeld des BSC Süd sah sich eher als zweite Viererkette.
So hatten die 350 Zuschauer in der ersten Halbzeit manchmal das Gefühl, beim Handball zu sein. Immer wieder spielte Optik um den Strafraum herum, suchte die Lücke, fand sie aber kaum. Den ersten Schuss aufs Tor gab es erst nach 20 Minuten. Conny Wieland blieb Sieger gegen Patrik Scholz. In die zehn Minuten vor der Pause fielen die beiden einzigen Brandenburger Chancen. Zunächst rollte ein Ball von Andreas Lenz parallel zu Torlinie entlang. Und unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff setzte Daniel Meyer nach, als ein Freistoß von Marko Görisch nicht konsequent geklärt wurde.
Da führte der FSV schon. Der nach langer Zeit wieder einmal in der Anfangsformation stehende Dejan Kalan traf im dritten Versuch überlegt ins lange Eck. Zuvor war erst Murat Yilmaz an Wieland gescheitert und der Nachschuss von Murat Turhan von der Linie geschlagen worden. Paradox: Obwohl er gar nicht laut werden musste, verließ Ingo Kahlisch schon nach wenigen Minuten die Stimme.
Im Prinzip war die Partie nach 52 Minuten entschieden. Als nach einem Foul alles auf den Pfiff von Schiedsrichter Marco Schibull aus Templin wartete, nutzte Murat Turhan dessen Vorteilsauslegung zu einem platzierten Schuss. Nach diesem 2:0 fielen die Gäste förmlich auseinander. Der eine Murat (Yilmaz) traf den Pfosten, der andere (Turhan) schoss Conny Wieland an. Beide Rathenower Außenverteidiger schalteten sich nach und nach mehr in die Offensive mit ein. So war es fast logisch, dass dem dritten Treffer ein Flankenlauf von Sascha Tröger voranging. Erneut war Murat Turhan Nutznießer, wobei es aus Nahdistanz auch nicht mehr so schwierig war.
Gleich danach war der Arbeitstag für Turhan beendet. Sein Ersatz Moris Fikic, dessen Verletzung sich als weniger schwerwiegend erwies als angenommen, traf mit seiner ersten Ballberührung zum 4:0. Wieland hatte einen Yilmaz-Schuss nicht festhalten können, Moris setzte energisch nach.
Als dann eine Viertelstunde vor Schluss der bereits verwarnte Steven Meier nach einem Foul an Vasilios Tsiatouchas mit Gelb/Rot vom Platz musste, hätte es für die 05-er sogar ein Debakel werden können. Doch Moris Fikic, Patrik Scholz, und Murat Yilmaz konnten ihre Gelegenheiten nicht mehr in Zählbares ummünzen.
Bereits am Mittwoch müssen Rathenows Oberligafußballer wieder ran. Um 19.30 Uhr beginnt im Stadion Lichterfelde das Nachholespiel gegen den LFC Berlin. (D.N.)
BSC-Trainer Udo Richter: "Der Rathenower Sieg ist etwas zu hoch ausgefallen, war aber verdient. Wir haben es in der ersten Halbzeit, die recht ordentlich war, versäumt, unsere Chancen zu nutzen und so mit einem besseren Ergenbis in die Halbzeitpause zu gehen. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison, wir spielen erst gefällig mit, kriegen das zweite Tor und brechen dann zusammen. Und dann kann man nur noch hoffen, nicht abgeschlachtet zu werden. Ingo Kahlisch beneide ich um seinen Kader. Wenn ich sehe, dass sich während des Spiels acht Mann warm machen, kann ich nur mit der Zunge schnalzen. Bei einigen unserer Spieler klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Das hier heute ist nicht mein Anspruch. Am Donnerstag habe ich der Mannschaft etwas mitzuteilen."
Ingo Kahlisch:"Ja, die Stimme ist weg, obwohl ich nicht soviel gebrüllt habe wie sonst. Wir haben verdient gewonnen, aber es gab genug Sachen, die mir nicht gefallen haben. Das klären wir nächste Woche. Schönes Wochenende!"
Tore:
1:0 Kalan (40.)
2:0 Turhan (52.)
3:0 Turhan (67.)
4:0 Fikic (70.)
Aufstellung: Subke - Delvalle Silva, Coric, Scholz, Tröger - Tsiatouchas, Hellwig (74. Leroy) - Yilmaz, Cankaya (G), Kalan (77. Pfefferkorn) - Turhan (67. Fikic)