NIEDERLAGE IN ROSTOCK
Beide Teams gönnten sich nur eine kurze Abtastphase. Dann kam es, vor allem in der ersten Hälfte, zu einer rassigen Partie. Nach fünf Minuten gab Rico Gladrow mit einem Schuss aus vollem Lauf Felix Baitz die Möglichkeit, sich erstmals zu bewähren. Für die schnell über die Außen eingeleiteten Konterversuche der Rathenower war meist bei der sehr kopfballstarken Rostocker Viererkette Endstation. Da Optiks Defensive dem nicht nachstand, waren klare Gelegenheiten trotz beiderseitig guten Spiel Mangelware.
Die erste hatten die Gastgeber nach gut 20 Minuten, als ein Kopfball von Pelle Jensen ganz knapp über die Latte zischte. Auf der anderen Seite probierte es Moris Fikic mit einem Aufsetzer. Ein durchaus probates Mittel. Das Volksstadion verfügt über einen oberligaunwürdigen Platz, der für beide spielstarken Teams oft zur Stolperfalle wurde und das Spiel letztendlich auch entschied. Doch dazu später mehr...
Nach 27 Minuten die Riesenchance für die Norddeutschen. Das einzige krasse Missverständnis beim FSV nutzte Martin Pett zu einem Solo, bei dem er Felix Baitz zwar ausspielte, dann aber nicht an dem auf der Linie stehenden Mario Delvalle vorbeikam. Danach waren die Rot-Weißen am Drücker. Moris Fikic setzte sich auf dem linken Flügel sehr gut durch und schaffte aus vollem Lauf auch noch einen genauen Diagonalpass auf Hakan Cankaya. Bevor dieser zum Abschluss kam, setzte das Leder in einem der zahlreichen Löcher auf und änderte plötzlich die Richtung.
Nach genau einer halben Stunde dann ein Freistoß aus gut 20 Metern, bei dem die 25 Rathenower Fans unter den leider nur 70 Zuschauern schon jubelten. Doch den von Patrik Scholz um die Mauer gedrehten Ball lenkte Torhüter Paul Ladwig mit toller Flugeinlage an den Pfosten. Wenig später rettete "Scholle", an diesem Tage eindeutig Rathenows Bester, bei einem ganz schnell ausgeführten Freistoß des Gegners auf der Linie. Kurz vor der Pause kam Max Kremer aus Nahdistanz zum Schuss. Diesmal klärten Scholz und Baitz gemeinsam.
Auch nach der Pause blieb es im Wesentlichen beim gleichen Bild. Hansa feldüberlegen, aber kaum zwingend gegen aufmerksame Gäste. Dann die 53. Minute, die Ingo Kahlisch später so kommentierte: "Der Elfmeter war ein Witz. Schade, denn ansonsten hat der Schiedsrichter meiner Meinung nach eine sehr gute Leistung geboten." Was war passiert? Von halbrechts war Kevin Pannewitz in den Strafraum gelaufen und stieß mit Damir Coric zusammen. Beide kamen auf dem extrem unebenen Platz ins Straucheln. Pannewitz fiel (hin), Schiedsrichter Felix-Benjamin Schwermer aus Magdeburg fiel (darauf herein). Rico Gladrow war`s egal, er verwandelte den Elfmeter zum 1:0.
Danach verflachte das Spiel ein wenig. Ingo Kahlisch reagierte, wollte mit einem Doppelwechsel, Vincenzo Ferrera und Jerome Leroy kamen für Benny Wilcke und den Gelb-Rot gefährdeten Vasilios Tsiatouchas, neuen Schwung bringen. Das muss Rostocks Max Kremer gründlich missverstanden haben. Die Partie war kaum wieder freigegeben, da rauschte er mit den Stollen voran gestreckt in die Beine von Leon Hellwig. Für dieses sinnlose Foul noch vor der Mittellinie gab es glatt Rot.
An diesem Tag gelang es den Kickern aus dem Havelland aber nicht, aus der Überzahl Kapital zu schlagen. Die Mecklenburger nahmen immer wieder geschickt das Tempo aus der Partie. Da sie ohnehin ihre besten Leute in der Defensive hatten, brachten sie den knappen Vorsprung doch recht sicher über die restliche Spielzeit. Lediglich bei einem Freistoß von Patrik Scholz wurde es so richtig gefährlich. Aber auch bei diesem Versuch in der 84. Minute fehlten die berühmten Zentimeter.
Ingo Kahlisch sah es nach dem Abpfiff realistisch: "Ich denke, auf Grund der zwei, drei klaren Chancen in der ersten Halbzeit war der Sieg für Hansa nicht unverdient. Nach dem Platzverweis fehlte uns diesmal körperlich das Durchsetzungsvermögen. Die Welt geht jetzt für uns nicht unter. Hoffentlich fällt Damir Coric, der mit einem dicken Knie vom Platz gehumpelt ist, nicht auch noch aus." Mit auch noch meinte der Coach seinen Kapitän Patrik Scholz, der kommende Woch gegen Germania Schöneiche wegen der fünften Gelben Karte einmal aussetzen muss. (D.N.)
Tor: 1:0 Gladrow (53./FE)
Optik:Baitz - Delvalle Silva, Coric, Scholz (G), Tröger (83. Kalan) - Tsiatouchas (G/ 67. Leroy), Hellwig - Fikic, Cankaya, Wilcke (67. Ferrera) - Turhan