ZWISCHEN GENIE UND WAHNSINN
Ingo Kahlisch fand als erster die Fassung wieder: "Das ist Fußball", kommentierte Optiks Trainer eine Schlussphase, die an Dramatik nicht zu überbieten war. Dabei begann das Spiel recht gemächlich mit kleineren Gelegenheiten hüben wir drüben. Den ersten richtigen Wachmacher gab es nach 19 Minuten: Benjamin Wilcke, der für den grippekranken Moris Fikic von Anfang an ran durfte, hatte sich über rechts gut durchgesetzt und in die Mitte gepasst, wo Vasilios Tsiatouchas fünf Meter vor dem Tor das Kunststück fertig brachte, den Ball freistehend neben den Kasten zu setzen. Gut möglich allerdings, dass das holprige Geläuf im schmucken neuen Friesenstadion seinen Anteil an der unglücklichen Aktion hatte.
In der 33. Minute durfte sich auch Fürstenwaldes Mathias Klein versuchen - auch freistehend, diesmal allerdings aus elf Metern. Zuvor soll Patrik Scholz Jan Mutschler im Strafraum aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Klein trat an und verwandelte sicher zum 1:0 für den Aufsteiger, der sich bis dahin gut verkauft hatte und durch einen lang getretenen Freistoß von Mutschler, den Subke gerade noch über die Latte lenken konnte, beinahe noch auf 2:0 erhöht hätte.
Mit dem Seitenwechsel kam Dejan Kalan für Daniel Pfefferkorn, der angeschlagen in der Kabine bleiben musste. Optik, das in der ersten Halbzeit insgesamt enttäuschte hatte, machte nun wesentlich mehr Dampf und ließ den Platzherren kaum noch Räume. Lohn war der Ausgleich in der 56. Minute: Nach einem abgewehrten Kopfball von Murat Turhan stand Benjamin Wilcke goldrichtig und staubte zum hochverdienten 1:1 ab. Es war zugleich die beste Phase des FSV, mehr als der Ausgleich sprang allerdings nicht heraus.
Und so berappelten sich auch die Gastgeber wieder und hätten um ein Haar einen Aussetzer von Subke, der bei einem Rückpass nicht gut aussah, bestraft. Der beste Rathenower, Leon Hellwig rettete aber im letzten Moment. Das wollte auch Jerome Leroy in der 83. Minute, ging dabei aber als letzter Mann gegen Christian Mlynarczyk etwas zu ungestüm zur Sache und sah folgerichtig die Rote Karte. Den anschließenden Freistoß entschärfte Subke mit einer Klasseparade.
Und dann waren die 90 Minuten auch schon vorüber. Es lief bereits die Nachspielzeit, als es 20 Meter vor dem Fürstenwalder Tor noch einmal Freistoß für Optik gab. Eine Sache für den Kapitän: Patrik Scholz legte sich den Ball zurecht, lief an und schlenzte das Leder wunderschön an der Mauer vorbei zum 1:2 ins rechte Eck. Riesengroßer Jubel und ein einziges Freudenknäuel der Rathenower Spieler.
Damit schien die Partie gelaufen. Das dachte sich wohl auch das Optik-Team und genehmigte sich mit Wiederanpfiff eine kollektive Schlafeinlage. Union-Kapitän Tim Lensinger konnte ungehindert durchs Rathenower Mittelfeld spazieren und mit einem satten Schuss zum 2:2 einnetzen. Danach war dann wirklich Schluss, denn Schiedsrichter Marek Nixdorf pfiff die Partie nicht noch einmal an. Optiks Spieler, die gerade noch ausgelassen gefeiert hatten, sackten auf dem Rasen zusammen und werden wohl noch lange an dieses Spiel zurückdenken.
Ingo Kahlisch: "Es war ein spannendes Spiel bis zum Schluss. Mit dem Spiel meiner Mannschaft in der ersten Halbzeit war ich nicht zufrieden. In der zweiten Halbzeit haben wir das bei diesen schwierigen Platzverhältnissen sehr ordentlich gemacht. So wie das Spiel gelaufen ist, wäre ich bis zur 90. Minute auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Dann machen wir aber noch das Freistoßtor, und was danach passiert ist, war jugendlicher Leichtsinn. So ein Gegentor darf einfach nicht passieren. Aber es ist passiert und wir werden daraus lernen."
Mario Reichel:"Ich bin mit dem Punkt zufrieden und ich denke, dass das Unentschieden über das gesamte Spiel gesehen gerecht ist. Wir wussten, dass wir auf eine junge spielstarke Truppe treffen, wo wir gegenhalten und die Räume eng machen müssen. Das haben wir auch in der ersten Halbzeit gut hinbekommen. Aus der Halbzeitpause sind wir zu schläfrig und auch zu ängstlich gekommen, und dadurch unter Druck geraten. Man hat teilweise gesehen, dass wir noch nicht richtig in der Oberliga angekommen sind und im spielerischen und taktischen Bereich noch viel lernen müssen. Wir haben gegen einen guten Gegner, der zurecht da oben steht, heute einen Punkt geholt und das war wichtig für uns." (N.R.)
Bilder vom Spiel >>
Tore:
1:0 Klein (33./FE)
1:1 Wilcke (59.)
1:2 Scholz (90.+2)
2:2 Lensinger (90.+3)
Optik: Subke - Tröger, Delvalle, Scholz (G), Leroy (Rot/83.) - Tsiatouchas, Cankaya, Hellwig - Pfefferkorn (46. Kalan), Turhan, Wilcke (75. Fikic)