FURIOSE AUFHOLJAGD
Die knapp 250 Zuschauer waren erwartungsfroh. Nach dem guten Auftritt in Neustrelitz sollte gegen die Inselstädter der zweite Heimsieg geschafft werden. So ähnlich dachten zu Beginn wohl auch die Spieler. Es sah ganz nett aus, was Optik fabrizierte. Aber völlig ohne Agressivität, im positiven Sinne natürlich, geht es nicht. Die Gäste waren da (noch) aus anderem Holz geschnitzt. Zweikämpfe wurden gesucht und gewonnen, bei Balleroberung ein enormes Tempo gegangen.
Lohn war das frühe 0:1 in der 9. Minute. Guido Timper versenkte einen lang gezogenen Freistoß mit dem Kopf gegen die Laufrichtung von Marcel Subke. Damit nicht genug. Nach 15 Minuten stand es 0:2. Stefan Voß war von halbrechts mit einem Schuss ins lange Eck erfolgreich.
Nach etwa 20 Minuten besannen sich die Gastgeber. Jetzt nahm das Spiel die Form an, die man von Anfang an erwartet hatte. Schneller, bissiger und konsequent über die Flügel kommend erarbeitete sich der FSV Gelegenheiten. "Optik hat uns vorgewarnt", umschrieb MSV-Trainer Sven Lange später die Phase zwischen der 20. und 40. Minute.
Seine Elf wollte oder konnte nicht auf diese Warnungen hören und bekam noch vor der Pause die Quittung. Das 1:2 erzielte Hakan Cankaya in der 41. Minute. Moris Fikic hatte sich über rechts durchgesetzt und das Leder in den Rücken der Abwehr gespielt. Ein toller Treffer gelang Murat Turhan Sekunden vor dem Halbzeitpfiff. Technisch stark nahm er den Ball mit der Brust an, ließ einen Gegner austeigen und schob dann überlegt ein.
Mit diesem 2:2 gab sich der FSV nach dem Wechsel nicht zufrieden. Phasenweise bot die Mannschaft nun richtig guten Fußball. Außerdem schien es, als ob sich einige Gästespieler beim hohen Anfangstempo etwas übernommen hatten. Symptomatisch auch für die gedankliche Frische die Szene aus der 53. Minute: Überdeutlich spielte Malchows Abwehr im Strafraum den Ball mit der Hand. Alles wartete auf den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Jacob Pawlowski aus Berlin. Als einziger erfaßte Murat Turhan die Situation, aus spitzem Winkel schoss er zum 3:2 ins Netz.
Einmal kamen die Norddeutschen noch gefährlich vor das Tor. Dariusz Kostyk traf nach 64 Minuten den Pfosten. Da hatte Keeper Paul-Friedrich Kornfeld seine Elf jedoch schon mehrfach vor einem höheren Rückstand bewahrt. Die Entscheidung fiel zwanzig Minuten vor Ende der Partie. Einen völlig verunglückten Befreiungsschlag hob Hakan Cankaya aus gut 30 Metern ins leere Tor. In der Schlussminute kam Murat Turhan nach einem schnell ausgeführten Freistoß zu einer Kopfballchance. Hier verzog er aber deutlich. Doch auch mit dem 4:2 waren die Fans am Ende zufrieden.
Vom Trainer der Gäste, Sven Lange, konnte man das natürlich nicht behaupten. "Wie letztes Jahr haben wir hier unterirdisch gespielt. 20 Minuten haben wir das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Aber dann! Überheblich, arrogant. So sind wir wieder die Doofen, müssen uns an die eigene Nase fassen. Ich werde mich mit dem Vorstand hinsetzen. Drei bis Vier Spieler werden wir bitten, sich beim Trainer der Zweiten zu melden. So geht es nicht weiter."
Ingo Kahlisch konnte nach nunmehr acht Punkten aus vier Spielen sein Resümee entspannter ziehen: "Dieses Spiel hatte alles, was zum Fußball gehört. In der Anfangsphase waren wir in den Zweikämpfen überhaupt nicht präsent. Dann wurde es besser und mit den beiden Toren kurz vor der Pause waren wir wieder im Geschäft. Nach hinten raus war dann der Sieg total verdient. Ich freue mich auch über die Moral bei der doch sehr jungen Mannschaft. Das wird ja im Fussball nicht immer belohnt. Nach dem besten Start seit ich hier Trainer bin glaube ich, die Art und Weise, wie wir spielen ist für Oberligaverhältnise richtig gut." (D.N.)
Tore:
0:1 Timper (10.)
0:2 Voß (15.)
1:2 Cankaya (40.)
2:2 Turhan (45.)
3:2 Turhan (52.)
4:2 Cankaya (69.)
Aufstellung: Subke - Baldes, Delvalle Silva, Scholz, Tröger (78. Wilcke) - Tsiatouchas (72. Kalan), Hellwig - Leroy, Cankaya, Fikic (87. Puhlmann) - Turhan (G)