RIESENSCHRITT ZUM KLASSENERHALT
Von dort sah er zwar schon nach wenigen Sekunden einen Schuss von Maximilian Reißner, den Simeon Hawwary parierte, doch danach übernahm Rathenow recht eindeutig die Initiative. Allerdings fehlte bei den Gastgebern erst einmal die Durchschlagskraft. Es gab zwar viele Angriffe, viele Ecken, aber fast keine Torgefahr.
Das sah auf der anderen Seite anders aus. Der Kopfball von Will Siakam verfehlte das Ziel noch knapp, doch mit dem dritten Abschluss stellten die Gäste auf 0:1. Nach einem Rathenower Ballverlust im Mittelfeld schalteten die Hauptstädter blitzschnell um. Mit zwei Direktkontakten war Kevin Jessie Coleman freigespielt und vollendete mit einem knallharten Schuss ins kurze Eck.
Zum Glück gelang dem FSV die schnelle Antwort. Marcito Vicente spielte auf Luka Zdep, der nach einer Körpertäuschung vom linken Strafraumeck wunderschön ins rechte Dreiangel schlenzte.
Das 1:1 weckte Lust auf mehr. Gleich beim nächsten Versuch hatten die Fans erneut den Torschrei auf den Lippen. Erst wurde Luka Zdep von Ismail Ceesay geblockt, den Nachschuss von Ali Keles hielt Bela Niels Rebensburg.
Leider wurde Optiks zuletzt so zuverlässige Abwehr im Angriffsmodus zu sorglos. Bei einem ganz langen Diagonalpass blieb Maximilian Reißner komplett ungedeckt. Seine Hereingabe köpfte der ebenso freistehende Kevin Jessie Coleman zum 1:2 ins Netz.
Nico Donner (gehalten) und Ali Keles (um Zentimeter drüber) hätten noch vor der Pause ausgleichen können, es ging jedoch mit dem knappen Rückstand in die Pause.
Meist waren die ersten Minuten der zweiten Hälfte bei Rathenow von Unsicherheit geprägt, diesmal nicht. Stark, wie sich Marcito Vicente auf dem linken Flügel gegen zwei Makkabäer durchsetzte und noch den Blick für den mitlaufenden Ali Keles hatte. Zweiter Startelfeinsatz, zweites Tor – Ali drückte die scharfe Eingabe mit dem Oberkörper zum 2:2 über die Linie.
Nun wollten beide Teams den Sieg. Es entwickelte sich eine rassige Partie, geprägt von viel Lauf- und Kampfbereitschaft. Dass es trotzdem nur wenige Unterbrechungen gab, lag auch an Schiedsrichter John Bartsch. Der Referee aus Zwickau hielt die Aktiven an der ganz langen Leine. Das durfte er auch, es gab eigentlich kein einziges wirklich übles Foul. Die einzige Gelbe Karte sah Makkabis Teo Matkovic wegen Handspiels.
In jener Phase wäre Coleman beinahe der Dreierpack gelungen. Jakob Reichenbach grätschte den Gästestürmer soeben noch ab. Wie so oft, eine Aktion entschied das Auf und Ab. Der kurz zuvor eingewechselte Ousmane Sannoh wurde beim Schussversuch abgedrängt. Die Gefahr war vorüber, da kam Rebensburg unnötigerweise aus seinem Tor. Der Torhüter bekam aber nicht den Ball, sondern nur das Bein von Sannoh zu fassen. Das hieß Strafstoß, den Luka Zdep zum 3:2 verwandelte.
Mit Macht auf den Ausgleich drängende Berliner, konternde Rathenower - neutrale Zuschauer hätten auf die Schlussphase wohl begeistert reagiert. Jeder, der zum FSV hält, bekam dagegen das große Zittern. Ruhiger wäre es geworden, wenn das Solo von Yohji Kore 180 Sekunden nach der Führung nicht an der Latte, sondern im Tor gelandet wäre.
So mussten Spieler und Fans noch zwei ganz heikle Situationen überstehen. Einen nur kurz abgewehrten Freistoß nahm Teo Matkovic direkt (87.). War die Reaktion von Simeon Hawwary hier schon gut, toppte Simeon das eine Minute später noch. Irgendwie war Maximilian Reißner plötzlich freigespielt und lief allein aufs Tor zu. Mit einer starken Fußabwehr hielt Optiks Keeper die Führung.
Und die wurde in der Nachspielzeit sogar noch ausgebaut. Im Konter passte Yohji Kore auf Luka Zdep, der vor Bela Niels Rebensburg die Nerven behielt und den 4:2-Endstand erzielte.
Die Gratulationsrunde der Mannschaft dauerte diesmal lange, jeder wusste, dass damit ein Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt geschafft wurde.
Ingo Kahlisch: „Ich wusste, es wird ein schwieriges Spiel. Vorher hatten wir gegen den spielstarken Gegner mit einem Punkt geliebäugelt. Das war natürlich ein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt. Jetzt müssen wir zu Viktoria fahren und gewinnen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Also, hochkonzentriert weiterarbeiten!“
Optik: Hawwary – Aranda Aedo, Reichenbach, Gerlach, Donner – Hinze, Aktürk (90.+2 Bateman) – Onu (90.+2 Leroy), Zdep, Vicente (66. Kore) – Keles (66. Sannoh)
Tore:
0:1 Kevin Jessie Coleman (24.)
1:1 Luka Zdep (27.)
1:2 Kevin Jessie Coleman (33.)
2:2 Ali Ihsan Keles (50.)
3:2 Luka Zdep (68./FE)
4:2 Luka Zdep (90.+3)