WICHTIGER PUNKT IM KELLERDUELL
Anderthalb Stunden vor dem Anstoß ist Treffpunkt, das hat sich beim FSV seit Jahren bewährt und wurde auch am Freitag so gehandhabt. Etwas Neugier auf die Spielstätte war dabei. Einen freundlichen Empfang, wie er zwischen beiden Vereinen seit vielen Jahren üblich ist, gab es auch diesmal. Also alles wie immer. Bis dann Trainerteam und Spieler hinaus auf den Platz gingen. In all der Zeit als Trainer hat Ingo Kahlisch viel erlebt, aber so etwas wie in Schmargendorf noch nie.
Ein sauber abgekreidetes American Football-Feld erwartete die Gäste. Dazwischen waren mit mattem Gelb auf hellgrünem Gras Mittelkreis und Strafräume für den Fußballwettkampf angedeutet. Es ist ungeheuerlich, wie die Sportstadt Berlin mit ihren Vereinen umgeht!
Natürlich ist Tennis Borussia wegen der Sperrung des Mommsenstadions nach Schmargendorf zwangsverwiesen worden. Aber in den Regularien steht auch, dass die gastgebende Elf für die ordnungsgemäße Spielstätte verantwortlich ist. Letztlich mühten sich Vereinsvertreter, Balljungen und andere mit Wassereimern und Besen, die Football-Linien notdürftig zu entfernen.
Zwischen all dem Gewusel stand als einsamster Mann im gut gefüllten Rund Matthias Lämmchen. Dem Schieri allein oblag die letzte Entscheidung, ob Spiel oder Absage. Die Strafraumbegrenzung zum Spielfeld hin war dann beim mit 25 Minuten Verspätung erfolgten Anpfiff einigermaßen zu erkennen. Die Seitenränder des 16-Meter-Raumes blieben Ermessungssache der Assistenten.
Die lange Vorrede wird den Spielbericht kaum verlängern. Zwei äußerst aufmerksame Abwehrreihen ließen nämlich so gut wie nichts zu. Rathenow startete mit ähnlich defensiver Ausrichtung wie in den letzten Wochen, Berlin stellte bei Ballverlust auf Fünferkette um.
Erst nach einer halben Stunde gab es die jeweils ersten Torschüsse. Ali Keles lupfte am Torwart, aber leider auch knapp am Pfosten vorbei, Fabian Klawa schoss aus dem Lauf links daneben. Es war bezeichnend, dass Borussias größte Gelegenheit nicht einmal zu einem Abschluss führte. Ebrima Jobe wurde über links geschickt, recht frei vor dem Kasten lief ihn Jakob Reichenbach ab.
Im direkten Gegenzug die wohl kniffligste Szene für Schiedsrichter Matthias Lämmchen. Yunus Solak hatte im Konter freie Bahn und wurde kurz hinter der Mittellinie von Anton Christoph Yazdan Pourfard gelegt. Der war letzter Mann, also Rot? Der Referee beließ es bei Gelb. Von außen schwer zu beurteilen, möglicherweise hätte der einige Meter seitlich daneben laufende Linus Johann Bernhard Frölich noch eingreifen können.
Als alles auf den Halbzeitpfiff wartete, gab es sie doch noch, die eine große Chance. Ein Missverständnis bei TeBe, und schon war Yohji Kore frei durch. Yannik Bangsow verhinderte mit einer guten Parade den Rückstand.
Die zweiten 45 Minuten begannen kurios. Nach einem langen Ball gab es Abstoß für Optik. Allerdings hatte das Leder lediglich die letzte weiße, also Football-Linie überschritten, nicht aber die gelbe für den Fußball. Teams und Spielleiter stellten sich wieder auf die ungewohnte (und laut Regelwerk nicht zulässige) Markierung ein. Den Versuch von Luka Zdep lenkte Bangsow soeben noch über die Latte.
Wenig später fiel das 0:1. Yohji Kore hätte bereits abschließen müssen, verzettelte sich jedoch. Im zweiten Anlauf passte er auf Ali Keles, der präzise ins lange Eck schoss. Leider hielt die Führung nur drei Minuten. Einen Pass von der Grundlinie in den Rückraum traf Emir Can Gencel so perfekt, dass sich das Leder unmittelbar neben dem Pfosten ins Tor drehte.
Nach diesem 1:1 gab es keine klaren Gelegenheiten mehr. Das `nicht verlieren dürfen‘ wog bei beiden Mannschaften schwerer als das `gewinnen wollen`.
Und trotzdem gab es bei den etwa 60 Rathenower Anhängern (Danke für die großartige Unterstützung) unter den 717 Besuchern in der 87. Minute Riesenjubel. 18 Monate und 24 Tage nach seiner Horrorverletzung in Rostock kam Jerome Leroy wieder auf den Platz. Sein 461. Pflichtspieleinsatz brachte einen Punkt. Was der wert ist, werden die letzten drei Partien zeigen.
Ingo Kahlisch: „Absolut unwürdig, was hier abging. Nicht falsch verstehen, wir haben seit vielen Jahren sehr gute Beziehungen zu Tennis Borussia. Aber als platzbauender Verein bin ich in der Verantwortung für die Spielfläche. Das war heute eine Katastrophe.
Das Spiel war dann aber erfreulicher. Ich denke, das war schon recht ordentlich, wie sehr wir aus der Ordnung heraus agiert haben. Wie schon zuletzt - Abwehr und die beiden Sechser das passt. Da war Struktur drin und taktische Disziplin. Dass wir nach vorne Probleme haben, ist uns bewusst.
Schön, dass Jerome ein paar Minuten mitwirken konnte, da geht es von Woche zu Woche besser. Und natürlich schön, wie viele Leute uns heute angefeuert haben. Das war ja sogar nochmal eine Steigerung zum BAK-Spiel. Jetzt kommen noch drei Endspiele, und wir haben es selbst in der Hand. Weiter geht`s!“
Optik: Hawwary – Aranda Aedo, Reichenbach (G), Gerlach, Donner – Hinze, Solak (G/87. Leroy) – Onu, Zdep (77. Bateman), Keles – Kore (77. Preljevic/G)
Tore:
0:1 Ali Ihsan Keles (57.)
1:1 Emir Can Gencel (60.)