"DIE JUNGS HABEN ORDENTLICH GEARBEITET"
Die Wahrheit wird auf dem Platz liegen - bei den Punktspielen, die jetzt losgehen. Die Jungs haben bei jedem Wetter ordentlich gearbeitet. Unser Problem ist immer noch, dass wir keinen wirklichen Führungsspieler auf dem Platz haben. Justin Gerlach ist mit Schulterproblemen verletzt und Jerome ist natürlich auch noch nicht einsatzbereit. Und das ist sehr schwierig. Dennoch hoffe ich auf eine super Einstellung unseres Teams. Wir gehen positiv ran.
Wir konnten in der Winterpause fünf Neuzugänge vermelden. Wie schätzt du sie ein bzw. wo können sie uns helfen?
Fünf Neuzugänge, das ist immer alles so gesagt. Bis auf Ali sind das oft Spieler - und das meine ich auch nicht böse - die woanders nicht gespielt haben. Da wir wenig Vorbereitungsspiele hatten, ist das auch schwierig. Ich denke, dass alle ordentliches Potential haben. Ousmane als Stürmer, Ali ist durch Zufall vom BAK zu uns gekommen und Eric hat auch fast ein Jahr nicht gespielt. Er war früher bei Union und bringt vieles mit. Der Kader ist breit aufgestellt und die Jungs müssen jetzt die Zeit nutzen, sich über die Punktspiele zu entwickeln. Das Wichtigste ist, dass wir mit Optik Rathenow die Oberliga halten.
Es ist kein Geheimnis, alle Spieler erhalten bei uns nur eine Aufwandsentschädigung. Wie schaffst du es, dass dennoch immer wieder neue Spieler herziehen oder die eine Stunde Zugfahrt von Berlin auf sich nehmen? Andere Vereine gerade in Berlin und Umgebung sind doch finanziell viel attraktiver, oder?
Ja, aber der FSV Optik genießt einen sehr guten Ruf. Zudem trainieren wir mehr als andere vergleichbare Vereine, vier bis fünf Mal die Woche. Wir fahren einmal im Jahr ins Trainingslager und wenn ich mich mit verschiedenen Beratern unterhalte, ist das immer wieder der Anreiz für junge Leute mit mehr Training vorwärts zu kommen und mehr zu erreichen. Das ist eine große Stärke von uns. Viele fragen, wann wir endlich wieder in die Regionalliga kommen, aber zurzeit mit unseren Möglichkeiten sollten wir zufrieden sein, dass wir überregionalen Fußball spielen. Und da müssen sich - egal ob Verein, Wirtschaft, Stadt und Landkreis - alle den Hintern aufreißen, sonst wird es schwierig.
Auch wenn man es in der Stadt nicht mehr hören kann, aber unsere Finanzen sind im Ligavergleich nicht rosig - jetzt mehr denn je. Wir feiern in diesem Jahr 35 Jahre FSV Optik Rathenow. In der Stadt erlebt man seit 120 Jahren Fußball. Wie wollen wir diesen finanziellen Herausforderungen in der Zukunft begegnen? Hast du Vorschläge parat, damit Rathenow auf der überregionalen Fußball-Landkarte nicht verschwindet?
Ich habe das über 35 Jahre hinweg mit vielen Mitarbeitern geschafft. Ingo Kahlisch alleine ist gar nichts. Zudem habe ich immer gute Ideen, aber in der heutigen Zeit ist es noch schwieriger geworden. Wir müssen alle im Rahmen der Möglichkeiten den Finger ziehen, wenn wir den Verein am Leben erhalten wollen. Dazu haben wir die Nachwuchsabteilung mit Premnitz, die durchs ganze Land Brandenburg zu den Punktspielen fährt. So kommen leicht fürs Wochenende 250 Kilometer hin und auch zurück zusammen. Das vergessen immer viele, ohne diese Oberliga-Mannschaft können wir uns auch diesen leistungsorientierten Jugend-Fußball nicht mehr leisten.
Apropos Fußball-Landkarte: Wenn man sich Brandenburg ansieht und mal die beiden größten Vereine mit dem FC Energie Cottbus in der 3. Liga und dem SV Babelsberg als Landeshauptstadt außen vor lässt, entdeckt man den FSV Luckenwalde, der seit vielen Jahren stabil in der Regionalliga spielt - oft sogar im gesicherten Mittelfeld. Was machen die anders als wir, in einer Stadt, die durchaus mit Rathenow vergleichbar ist? Luckenwalde bezeichnet sich selbst als Stadt des Sports.
Die Frage sagt schon alles. Luckenwalde hatte früher die Ringer und heute ist das Aushängeschild der FSV 63. Und der wird von allen Seiten massiv unterstützt. Das Finanzielle ist natürlich nicht immer alles, aber natürlich haben sie andere Mittel als wir. Schon damals als Leon Hellwig von uns dorthin wechselte, hatten sie mehr Möglichkeiten. Und das ist hier leider zur Zeit sehr schwierig.
Nochmal zurück zum Sportlichen: Wir haben mit Mahsldorf und Trainerfuchs Karsten Heine sowie der TSG Neustrelitz zwei Heimspiele. Was ist unsere Zielstellung?
Die Zielstellung muss sein, erstmal ordentlich in die Rückrunde reinzukommen. Und meine Zielstellung mit der Mannschaft ist, aus den ersten beiden Heimspielen vier Punkte zu holen. Natürlich ist alles kein Wunschkonzert und generell will ich jedes Spiel gewinnen. Ich denke, es wird bis zum Schluss gehen. Jedes Spiel ist eng und die Oberliga ist in der Breite sehr stark geworden. Die Mannschaften sind dieses Jahr sehr ausgeglichen.
Wie sieht dein Ausblick für die Rückrunde aus?
Da ich kein Träumer bin, weiß ich immer wie schwer das wird. Doch trotz alledem wollen wir natürlich den Klassenerhalt schaffen. Zudem bin ich ein positiver Mensch. Auch wenn ich mal eine Nacht nicht schlafen kann, stehe ich wieder auf und es geht weiter. Aber nochmal: Es ist nicht normal, dass wir mit diesem finanziellen Rahmen überregionalen Fußball spielen! Und das muss sich jeder hinter seine Ohren schreiben. Wenn man sieht, dass wir seit 2007 überregional spielen, dann ist das von uns eine gute Leistung. Aber man muss sich heute jeden Tag neu beweisen. Und dazu gehört, dass wir ein bisschen Ahnung vom Sport haben und dazu gehören auch die Rahmenbedingungen, inklusive Finanzen. Und man kann dann auch nicht immer sagen, wir schaffen das so oder so jedes Jahr. Für alle, die zum Verein stehen, muss ein Ruck gehen. Und wenn das Wetter wieder besser wird, hoffe ich, werden alle nochmal wach und kommen auch gerne ins Stadion Vogelgesang.
Zum Abschluss möchte ich mich noch bei allen Unterstützern und Fördern recht herzlich bedanken.
Dem schließen wir uns natürlich an. Vielen Dank für das Gespräch.