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OBERLIGA

"FÜR KINDERFUSSBALL BÖSE BESTRAFT"

Bei Tabellenführer Tasmania Berlin kassiert der FSV Optik eine 1:4-Schlappe.
Foto: Andre Rekulowitsch
Es war weder die unverdienteste, noch die schlimmste Niederlage der Saison. Allerdings hatte sie einige Begleitumstände – erst fremdverschuldet, dann hausgemacht.

Dass ein Schiedsrichter ungewollt im Rampenlicht steht, kommt im Amateurfußball ohne VAR immer wieder mal vor. Dass so etwas unmittelbar nach dem Anpfiff geschieht, eher selten.

Nach wenigen Sekunden ein erster langer Ball der Rathenower. Tasmanias Florian Baak verschätzte sich als letzter Mann total, konnte nur noch die Hand zu Hilfe nehmen, sonst wäre Yohji Kore ganz allein vor dem Tor gewesen. Der Pfiff von Referee Michael Bernowitz kam sofort, aber das war es dann auch. Niemand wusste wie es weitergeht. Lange standen Spieler und Schieri auf dem Rasen herum, ohne dass etwas passierte. Und dann zeigte Bernowitz an: Freistoß für Tas! Es folgten keine wütenden Proteste. Nein - Startelf, Bank, Trainerteam und Fans waren komplett rat- und fassungslos.

Richtig laut wurde es dafür bei der nächsten Szene. Torjäger Pedro Cruz hatte mit einem feinen Flachschuss das 1:0 erzielt, der Jubel bei den „Tasmanischen Teufeln“, dem Fanclub der Gastgeber war verständlich.

Noch mehr zu hören waren jedoch die beschwörenden Worte der Gäste in Richtung Schiedsrichter. Cruz kam nämlich nur an den Ball, da dieser ihm zuvor mit einem erneuten glasklaren Handspiel vorgelegt wurde.
Zwei so deutliche Aktionen mit ebensolchen Fehlentscheidungen, das gab es in dieser Form lange nicht.

Eine Aktion muss noch erwähnt werden, dann soll es auch gut sein mit der Schelte für den Pfeifenmann. Nach einer guten halben Stunde kam es innerhalb weniger Sekunden zu zwei gröberen Fouls durch Konstantinos Grigoriadis. Er wurde ermahnt, das ist okay. Im direkten Gegenzug ein Foul von Gia Huy Phong. Hier zeigte der Referee: „Es war dein zweites, deshalb Gelb“. Mit zweierlei Maß, das zog sich durch die erste Hälfte.

In der gab es aber durchaus auch aufregenden Fußball. Denn unbeeindruckt vom frühen Rückstand, hatte Optik schnell die Schwachstelle der Neuköllner ausgemacht. Die Außenpositionen der Viererkette waren langsamer als die Offensivakteure der Roten. Mit einem langen Ball wurde die Abwehr ausgehebelt. Yohji Kore lief durch bis in den Strafraum. Statt abzuschließen gab es den Querpass auf den im Zentrum mitgelaufenen Nima Amiri. Aber dort, in der Mitte, war Blau-Weiß-Rot stark besetzt und konnte Nima noch entscheidend stören.

Auf der anderen Seite hielt Simeon Hawwary seine Farben mit zwei Glanzparaden im Spiel. Anschließend wieder der FSV. Luka Zdep scheiterte an Mateusz Mika, den Nachschuss setzte Chris Onu über die Latte. In der 22. Minute fiel der zu diesem Zeitpunkt verdiente Ausgleich. Nima Amiri behauptete das Leder gegen zwei Gegner und zog aus 25 Metern scharf ab. Direkt neben dem Pfosten schlug der Ball zum 1:1 ein.

„Wenn die Jungs nicht machen, was der Chef sagt, wird es böse für uns.“ So beschrieb Ingo Kahlisch das nun folgende Spielgeschehen. Will heißen, Rathenow verlor total die taktische Marschroute. Gegen den Spitzenreiter, eine im positiven Sinne „eklige“ Männermannschaft, wollten Optiks Jungspunde plötzlich mitspielen.

Natürlich viel zu offen, und natürlich ging das schief. Das 2:1 resultierte aus einem berechtigten Freistoß. Während sich die Gäste noch so langsam nach hinten orientierten, hatte Tasmania den Standard längst ausgeführt. Deji Ousman Beyreuther brachte das Leder nach innen, Nathaniel Amamoo schob in der Mitte ein.

Noch vor der Pause das 3:1. Simeon Hawwary konnte einen Versuch von Pedro Cruz bravourös abwehren, aber ehe in der Defensive jemand reagierte, hatte Lukas Stagge den Ball wieder hereingebracht. Cruz stand noch im Zentrum, diesmal hatte er mehr Glück.



In der zweiten Halbzeit verdiente sich der Tabellenführer die Führung mit jetzt ruhigerem und abgeklärtem Spiel. Mehrere starke Rettungstaten von Simeon Hawwary verhinderten eine hohe Niederlage. Spektakulär war es am Anfang als Florian Baak frei durch war (50.) und am Ende als Simeon gegen den im Konter auf ihn zu laufenden Kenan Söyler klärte (82.). Und selbst beim 4:1 war Optiks Keeper dran. Doch wie beim Treffer zuvor, reagierte nach der Parade nur ein Berliner. Nathaniel Amamoo staubte ab.

Vorne gab es noch Lebenszeichen des FSV. Chris Onu aus dem Lauf, da fehlte nicht viel. Und beim Volleyschuss von Jose Aranda hätte Mika wahrscheinlich keine Chance gehabt, doch noch vor der Linie war ein Abwehrbein dazwischen. So musste sich Optik am ersten Rückrundenspieltag letztlich geschlagen geben.

Ingo Kahlisch: "Nach hinten raus sind wir nach den letzten erfolgreichen Wochen vom Ergebnis enttäuscht, auch wenn es beim Spitzenreiter war. Anfangs war es der Schiedsrichter, der die Partie mit seiner Leitung und Leistung nur in eine Richtung lenkte. Aber wir müssen auch ehrlich sein. Wir haben uns taktisch nicht so verhalten wie abgesprochen. Da kann die Einstellung in Ordnung sein, heute wurden wir für unseren Kinderfußball bitterböse bestraft. Trotzdem werden wir nun nicht alles schlechtreden. Die Gesamtentwicklung ist da und jetzt wünschen wir allen, die zu Optik Rathenow halten, eine schöne Adventszeit und dann erholsame Feiertage."

Bilder vom Spiel auf facebook

Optik: Hawwary (G) – Aranda Aedo, Reichenbach, Solak, Phong (G / 54. Donner) - Bateman, Aktürk (80. dos Santos) – Onu (G), Zdep (63. Saribas), Amiri (80. Vicente) – Kore (63. Abal)

Tore:
1:0 Pedro Vitor Cruz Magalhaes (9.)
1:1 Nima Amiri (22.)
2:1 Nathaniel Amartei Amamoo (32.)
3:1 Pedro Vitor Cruz Magalhaes (45.+3)
4:1 Nathaniel Amartei Amamoo (57.)