2:2 BEI EINTRACHT MAHLSDORF
Ein Deja-vu einer schläfrigen Optik-Elf? Nein! Nima Amiri jagte seinen ersten Schuss noch am Tor vorbei, der zweite saß. Auf ihrer rechten Abwehrseite waren die Hauptstädter in der ersten Halbzeit verwundbar. Dort sicherte Yohji Kore einen langen Pass prima mit dem Körper ab, leitete dann weiter auf Nima. Dessen straffer Abschluss schlug unhaltbar zum 1:1 ein.
Indirekt war Amiri auch an der postwendenden erneuten Berliner Führung beteiligt. Wegen Nasenbluten kurzzeitig vom Platz geschickt, kam die Eintracht in Überzahl durch Willi Noacks tollen Dropkick zum 2:1.
Was niemand ahnte, einzig Noack gab bis zur Pause noch einen Schuss für die Hausherren ab, ansonsten dominierte nun der Vorletzte. Es war gerade erst eine Viertelstunde vorbei, da hätte Rathenow schon wieder ausgleichen können. Torhüter Paul Büchel verdribbelte das Leder, Yohji Kore wollte es zu genau machen und schlenzte hauchzart am Tor vorbei.
Die Eintracht agierte nun sehr abwartend, auf Konter lauernd. Die gab es jedoch kaum, die Defensive des FSV war aufmerksam. Optik probierte es zumeist mit langen Pässen auf die Außen. Mit mäßigem Ergebnis über rechts, mit Erfolg über links. Yohji Kore startete nach einer guten halben Stunde ein tolles Solo mit sattem Abschluss. Fast eine Kopie des ersten Treffers war das 2:2, oder wie es ein Fan ausdrückte: "Elfmeterschießen aus spitzem Winkel."
Fast mit dem Pausenpfiff ein Freistoß von Luka Zdep lang in den Strafraum. Kore nahm das Leder direkt, da fehlten nur Zentimeter.
Karsten Heine war bedient, tauschte zur Pause gleich drei Akteure. Das merkte man, die Eintracht war nun wesentlich druckvoller, schnürte den FSV phasenweise ein. Aber Rathenow zeigte eine wirklich starke Abwehrschlacht, fightete um jeden Ball. Und noch etwas fiel auf, es stimmt auch untereinander. Niemand meckerte, da wurde sich gegenseitig gepusht, einer lief und rackerte für den anderen.
Klar, bei der Qualität, die Mahlsdorf im Kader hat, ließ sich nicht alles verhindern. Die vielleicht größte Gelegenheit gab es bereits in der 51. Minute. Dreimal wurde vor oder auf der Linie geklärt, den vierten Versuch entschärfte Simeon Hawwary.
Auf einen ersten Gegenangriff mussten die handgezählten 18 Optik-Anhänger unter den 155 Zuschauern bis zu 63. Minute warten. Danach wieder die Gastgeber. Ganz viel Ballbesitz, wenige klare Möglichkeiten. Ganz stark, wie Yunus Solak nach 78 Minuten vor Nils Stettin rettete. Überhaupt warf sich Yunus in jeden Schuss.
Während er für die kämpferischen Momente sorgte, gelangen dem erstmals von Beginn an mitwirkenden Jose Luis Aranda Aedo viele spielerische Lösungen, die seinen Defensivkollegen immer wieder Zeit zum Verschnaufen brachte. Mit dieser Leistung empfahl sich der junge Chilene nachdrücklich für die Startelf.
Ganz am Ende wurde es dramatisch. In der 84. Minute monierte der FSV Abseits, die Fahne blieb unten, der soeben eingewechselte Devis Meißner schoss frei vor Hawwary vorbei. 120 Sekunden später traf Christoph Zorn ins Netz. Hier war die Aufregung nur kurz, diese Abseitsstellung war sehr eindeutig und auch vom Assistenten angezeigt.
In der vor allem nach der Pause umkämpften Partie hatte es das Schiedsrichtertrio nicht immer ganz leicht, aus Gäste-Sicht war aber nur Gelb für Rojan Saribas umstritten. Viel, viel mehr Diskussionsstoff brachte die Szene aus der letzten Minute der Nachspielzeit. Der einschussbereite Willi Noack wurde von Joshua Bateman abgegrätscht. "Notbremse, Rot und Elfmeter!", so schallte es von der Bank des BSV. "Quatsch, Ball gespielt" kam von den Gästen und - was viel entscheidender war - auch von Referee Leon Maximilian Metz. Darüber echauffierte sich ein Mahlsdorfer Offizieller auf der Bank dermaßen, das er glatt Rot sah. Kurz darauf war Schluss und der erste Punkt Realität.
Karsten Heine: "Unterm Strich waren wir in der ersten Halbzeit zu harmlos. Wie wir zweimal eine Führung aus der Hand gegeben haben, war wirklich zu einfach. In der zweiten Hälfte haben wir es besser gemacht, mehr Tempo gehabt und nichts mehr zugelassen. Aber defensiv hat Rathenow das gut gemacht. Am Ende hat es so nicht gereicht, sind wir dem hinterher gerannt, was wir vor der Pause leichtfertig verschenkt haben."
Ingo Kahlisch: "Das war wichtig. Wir sind nach den Rückständen immer wieder zurückgekommen und hatten in der ersten Halbzeit noch zwei, drei klare Chancen. In der zweiten Hälfte war es dann auch ein bisschen glücklich. Dafür ist das 2:2 am Ende in Ordnung. Ich denke, die Jungs haben heute die Schande von Siedenbollentin wieder gutgemacht. Es muss Schritt für Schritt gehen, Wunderdinge wird es nicht geben, aber bis Weihnachten wollen wir einen Nichtabstiegsplatz erreicht haben."
MAHLSDORF: Büchel - Köster, Benkert (84. Meißner), Thiel (G) - Cvjetinovic (46. Richter), El-Ahmar (G/74. Fazlic) - Stettin, Rupp (46. Reichstein/G), Mätzke (46. Hot), Noack - Zorn
RATHENOW: Hawwary - Aranda Aedo, Solak, Bateman, Donner - Aktürk (81. Saribas/G) - Onu (G), Hinze (G/67. Abal/G), Amiri (G/58. dos Santos) - Zdep - Kore (81. Gök)
Tore:
1:0 Zorn (5.)
1:1 Amiri (9.)
2:1 Noack (11.)
2:2 Kore (33.)