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OBERLIGA

"DIE LIGA IST SEHR STARK GEWORDEN"

Zum Start der neuen Oberliga-Saison haben wir uns mit Ingo Kahlisch über Klassenerhalt, Vorbereitung und die wirtschaftliche Situation unterhalten.
Ingo, bevor wir über die neue Saison reden, möchten wir kurz zurückblicken. Wir haben in der letzten Oberliga-Saison den Klassenerhalt gerade so geschafft. Wie hast du die letzten Spiele erlebt und was ist kurz nach dem Erreichen des Klassenerhalts passiert?

Wir hatten schon viel schwierige Situationen. Da sind wir einiges gewöhnt. Aber ich denke, in den letzten drei Monaten der vergangenen Saison war es sehr, sehr schwierig. Man muss versuchen, die Mannschaft zusammenzuhalten und wir hatten genug Problemfälle in unserer Gruppe. Nach dem Klassenerhalt hatte ich nur einen Gedanken - es ist geschafft und die Scheiße ist vorbei.

Die neue Saison ist gestartet, da wollen wir natürlich auch kurz einen sportlichen Blick auf die Vorbereitung werfen. Die Testspiele sind absolviert und die meisten Neuzugänge sind bestätigt. Wie fällt dein Fazit aus sportlicher Sicht aus?

Bei der Vorbereitung brauch ich kein Fazit machen. Vorbereitung ist Vorbereitung. Wir hatten viele Spiele, besonders gegen hochklassige Gegner. Die Spiele haben wir aus der Belastung heraus verloren. Aber ich denke, wer beim ersten Punktspiel richtig zugeschaut hat, wird erkannt haben, dass uns unsere neue Mannschaft noch viel Freude machen wird.

Wie schätzt du die Liga in diesem Jahr ein? Wie siehst du Viktoria Berlin als Regionalliga-Absteiger und die drei Aufsteiger Klosterfelde, Siedenbollentin und Croatia Berlin?

Ich denke, dass die Liga in der Breite sehr, sehr stark geworden ist. Und wenn man die Liga halten will, muss man ganz schön strampeln. Über alle anderen möchte ich mich nicht äußern. Und wo überall alles neu ist, herrscht zunächst Euphorie.

Das erste Spiel gegen Tasmania haben wir trotz sehr guter zweiter Halbzeit leider verloren. Was müssen wir besser machen, um zu punkten?

Es ist wichtig, erstmal eine bessere Qualität in der Breite auf dem Platz zu haben. Das ist auch eine Geldfrage und deshalb ist das immer so eine schöne Frage. Aber auch die erste Hälfte gegen Tasmania war in meinen Augen ordentlich. Man muss immer bedenken, dass wir gegen keine Mäuse-Truppen spielen - das wird immer verkannt.

Unter den Neuzugängen sind mit Moritz Fehlberg und Leo Schönemann auch zwei Eigengewächse aus der A-Jugend der Spielgemeinschaft Optik/Chemie. Das ist ein weiterer Beweis, dass sich die SG bezahlt macht oder? Die Großfeldmannschaften im Nachwuchs spielen sehr erfolgreich auf Landesebene, was auch mit Kosten verbunden ist.

Ja gut, ich bin zunächst mal zufrieden, dass es junge Spieler aus der Umgebung gibt, die bereit sind, 4-5 Mal die Woche zu trainieren. Das ist ja nichts neues. Regelmäßig haben Spieler aus dem Nachwuchs mitgemacht, aber die sind dann nach dem zweiten Trainingstag nicht mehr gekommen. Und der qualitative Weg bis zur Oberliga wird für die Jungs noch sehr weit sein, aber es gibt auch dort eine Entwicklung. Wenn sie am Ball bleiben, würde ich mich sehr freuen.

Und noch ein Satz zum Nachwuchs: Dieser kann nur funktionieren mit einer funktionierenden Oberliga-Mannschaft und funktionierenden Sponsoren. Leider gibt es derzeit fast keine Unternehmen, die bereit sind, nur für Kinder- und Jugendfußball zu unterstützen. Und dort fahren wir auch von Rathenow nach Cottbus, nach Schwedt, nach Fürstenwalde und und und.

Du sprichst die finanziellen Herausforderungen an und hast auch immer wieder gemahnt. Wo steht der FSV Optik im Jahr 2025, drei Jahre nach dem Regionalliga-Abstieg - sowohl was die Wirtschaftlichkeit angeht als auch die Unterstützung in der Region?

Wir müssen wie alle anderen für jeden Cent hart kämpfen. Wichtig ist, dass wir mit den mittleren und kleineren Sponsoren sehr breit aufgestellt sind. Und da bedanke ich mich ausdrücklich für die jahrelange Unterstützung. Ich hoffe, dass alle anderen weitermachen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ich betone es nochmal: Ohne diese Oberliga-Mannschaft würde es den Nachwuchs in dieser Form nicht geben!

Wo stehen wir im Vergleich zu anderen Vereinen, gerade im Berliner Raum und Speckgürtel?

Das ist überall unterschiedlich. Es wird immer verkannt, der Berliner Ballungsraum mit seiner Bevölkerung. In Neukölln bei Tasmania wohnen 450.000 Menschen, in Lichtenberg über 300.000 und in Mahlsdorf 175.000 im Bezirk. Schon alleine dadurch weiß man, was dort für ein Potential herrscht. Und wir können es nur gemeinsam schaffen - mit dem Landkreis Havelland, mit der Stadt Rathenow - unseren Verein am Leben zu erhalten. Dennoch ist es immer wieder schwierig, das Geld ran zu bekommen. In Rathenow sollte man sich das genau überlegen.

Wir haben in der Stadt nicht viel in der Außendarstellung. Eine kleine Anekdote: Der ehemalige Straßenbaumeister der Stadt Rathenow, Horst Lüdecke, war im Urlaub an der Ostsee und traf dort einen gewissen Herrn Zorniger (Trainer bei RB Leipzig, Greuther Fürth und jetzt in Kopenhagen). Als Horst sagte, er sei aus Rathenow, meinte Zorniger „Optik - ist ja geil, schönen Gruß an Ingo Kahlisch“. Mit diesem Faustpfand sind wir seit 30 Jahren in der Stadt nicht bereit, was draus zu machen. Wir sind im ganzen Landkreis der einzig überregionale sportliche Werbeträger und ich denke, da passiert einfach zu wenig.

Was können wir als Verein und unsere Unterstützer und Partner besser machen, um erfolgreich zu sein?

Gut, es hat sich vieles geändert. Wir hatten immer das Konzept, Schule, Studium, Arbeit, Fußball. Wir werden das Land nicht ändern. Aber wenn junge Leute nicht mehr bereit sind zu lernen, können wir die nicht langfristig binden. Und unsere derzeitigen finanziellen Möglichkeiten geben es nicht her, Spieler langfristig zu binden. Deshalb gehen unsere Absprachen immer nur über ein Jahr. Das ist natürlich schwierig. Es sollte sich jeder bewusst sein, dass die Region auch nach außen strahlen kann und da wäre ein Sport- oder Fußballverein eine gute Sache. Dennoch muss ich anmerken, dass wir jahrelang zu hoch und mit zu wenig Geld gespielt haben. Und dennoch sind wir alle für unseren Verein da, um alles zu geben und weiterzumachen.

Du hattest vor kurzem Geburtstag. Was würdest du dir für diese Saison am meisten wünschen?

Dass ich gesund bleibe und dass alle weiterhin an einem Strang ziehen. Sport frei, an alle, die Optik lieben.