POKAL-HALBFINALE IN LUCKENWALDE
Ingo Kahlisch kehrt mit Optik in Luckenwalde nicht nur an den Ort zurück, an dem er mit Optik 2015 Oberligameister wurde, sondern auch an eine frühere Trainerstation.
An die Zeit als Übungsleiter in Luckenwalde, hat Ingo Kahlisch viele Erinnerungen: „Der Bruder von Rudi Dutschke, Günther, hat mich damals mit nach Luckenwalde geholt“, berichtet der Coach, „er war beim Trägerbetrieb und beim Verein einer der großen Macher.“ Zweieinhalb Jahre coachte Ingo Kahlisch, den DDR-Drittligisten TSV – am Mittwoch kehrt der 62-Jährige mit Optik an seine frühere Wirkungsstätte zurück. In Kürze feiert der Coach sein 30-jähriges Jubiläum beim FSV – bei manch einem Betrachter liegt es eigentlich außerhalb der Vorstellungskraft, dass er mal einen anderen Verein trainiert haben könnte.
Ab 18:30 Uhr kämpfen Oberligist FSV Luckenwalde und Regionalligist Rathenow im Halbfinale des AOK-Landespokals um den Einzug ins Endspiel. „Die Chancen stehen 50:50“, sagt Ingo Kahlisch, der 1985 als 29-Jähriger den „Turn- und Sport-Verein“ übernommen hatte. „Wir haben Ingo damals bei Empor Potsdam entdeckt“, erinnert sich Rüdiger Riethdorf, Chronist und Ehrenpräsident des FSV 63, der die erste Mannschaft bis 1985 trainiert hatte und der in die Suche nach einem Nachfolger maßgeblich eingebunden war.
Für Ingo Kahlisch bedeutete der Wechsel in den Süden des Bezirkes Potsdam auch der Sprung auf ein neues sportliches Level. „Bei Empor war das Freizeitfußball, in Luckenwalde haben wir viermal pro Woche trainiert, dreimal waren die Spieler sogar für Übungseinheiten um 14 Uhr freigestellt“, erinnert sich der gebürtige Potsdamer, der bei Motor Babelsberg höherklassig gekickt hatte. In der höchsten Liga des Bezirkes erkämpfte Kahlisch mit dem Ensemble aus dem Fläming die Plätze 8 und 12, bevor im Herbst 1987 wegen Unstimmigkeiten zwischen Coach und Vereinsführung die Zusammenarbeit endete.
Auf den Trainer warteten bald neue Aufgaben. „Ich sollte eigentlich die zweite Mannschaft in Ludwigsfelde als hauptamtlicher Trainer übernehmen“, erinnert er sich, „aber man hat es für gut gehalten, dass ich erst mal ein Jahr in Rathenow arbeite.“ Aus dem Praxisjahr bei der BSG Motor, damals einer der Luckenwalder Liga-Konkurrenten, wurde eine der längsten Trainerkarrieren auf gehobener nationaler Ebene ohne Unterbrechung.
Der langen Erfolgsbilanz im Havelland – unter anderem erkämpfte Optik 2013 und 2014 den Landespokal – könnte Kahlisch mit dem Einzug ins Finale 2019 ein weiteres Kapitel hinzufügen. Der FSV 63 erreichte 2016 und 2017 das Endspiel, unterlag aber Babelsberg 03 und Energie Cottbus.
Das Momentum im Werner-Seelenbinder-Stadion? Aufsteiger Optik steht trotz einer wackeren Saison vor dem Abstieg in die Oberliga, in der Luckenwalde trotz einer ebenfalls couragierten Spielzeit zuletzt in der Südstaffel die Tabellenführung an Chemie Leipzig verloren hat. Genug Stoff aus Gegenwart und Vergangenheit, um zu fachsimpeln. „Wir haben seit vielen Jahren ein gutes Verhältnis und schätzen uns sehr“, sagt Riethdorf, „und tauschen uns gerne aus.“
Wer nicht in Luckenwalde dabei sein kann, muss übrigens nicht allzu traurig sein. Der rbb überträgt das Spiel auf seiner Website im Livestream.