4:3-ZITTERSIEG BEI LOK STENDAL
Zur beachtlichen Kulisse von 675 Zuschauern trugen an die 100 Rathenower Anhänger bei, das hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben. Das erste Raunen von den Rängen gab es bereits beim Verlesen der Aufstellungen. Während Ingo Kahlisch kurzfristig auf Verteidiger Ibrahim Diallo verzichten musste, fehlte bei den Männern von Jörn Schulz Stammkeeper Philip Poser.
Abgesehen von einem Schreckmoment nach drei Minuten, als Philipp-Maik Witte bei einem schnellen Vorstoß rechtzeitig abgelaufen wurde, bot Optik in der ersten halben Stunde den besseren Fußball. Allerdings schlug sich das nicht im Ergebnis wieder - im Gegenteil, die Gastgeber lagen mit 2:0 vorn.
Ein mit Wucht in den Strafraum geschleuderter Einwurf reichte, um die Hintermannschaft des FSV auszuhebeln. Witte machte aus Nahdistanz per Direktabnahme den ersten Treffer. Nach genau 30 Minuten sah Stendals Alexander Schleicher für ein schon recht heftiges Foul die Gelbe Karte. Der Freistoß von Jerome Leroy kam zu zentral, Emilio Schöne im Lok-Gehäuse konnte problemlos halten und im direkten Gegenzug erhöhte Rosario Schulze freistehend per Kopf auf 2:0.
Und dennoch spielte diese erste Verwarnung im weiteren Verlauf eine entscheidende Rolle. Es lief die 34. Minute, da bekamen die Altmärker ihren ersten Eckball zugesprochen. Bei eigener Führung lief alles nach vorne, am Mittelkreis stand Alexander Schleicher allein Mann gegen Mann gegen Maxime Langner. Die Ecke wurde abgefangen, der Ball kam lang nach vorne und Schleicher riss Langner um. Taktisches Foul, das hieß Gelb und damit Gelb-Rot. Pikant, es war am 6. Spieltag bereits der zweite Platzverweis für den Verteidiger.
Optik wollte die numerische Überlegenheit sofort ausnutzen. Beim ersten Mal funktionierte es noch nicht, Ali Keles rauschte haarscharf an der Flanke von Nico Donner vorbei. 60 Sekunden später hatte Ali das Glück des Tüchtigen. Nach schöner Flanke von Maxime Langner verschätzte sich Emilio Schöne total, so konnte Keles ihn zum 2:1-Anschlusstreffer überlupfen.
Die reguläre Spielzeit war fast rum, da gab es nochmals Freistoß für Mintgrün. Aus recht spitzem Winkel zog Jerome Leroy direkt ab und überraschte Gegner und Mitspieler. Ohne Berührung durch andere Kicker schlug der Ball zum 2:2 ein. Fast zwei Jahre musste der Kapitän auf sein 64. Pflichtspieltor warten. Schön, dass es endlich geklappt hat. Vier Tore, Gelb-Rot, ein paar kurze Verletzungspausen – Schiedsrichter Johann Schwarz aus Berlin ließ vier Minuten nachspielen. In denen gab es erneut einen langgezogenen Flugball von Nico Donner. Diesmal kam Ali Keles heran und erzielte per Kopf das 2:3.
Foto: Nico RoesenbergerZur zweiten Hälfte brachte Jörn Schulz gleich drei frische Aktive. Ehe die sich auf dem Platz sortiert hatten, stand es 2:4. Einen zunächst abgewehrten Ball eroberte sich Maxime Langner zurück und zog aus vollem Lauf sofort ab.
Leider fehlte Optik im Anschluss jede Souveränität. Viele Fehlpässe brachten die dezimierten Gastgeber immer wieder zurück. Einer dieser Fehlpässe führte zu dem Foul, für das Salih Aktürk eine der sieben Verwarnungen des umkämpften Matches sah. Den anschließenden Freistoß faustete Simeon Hawwary genau vor die Füße von Philipp-Maik Witte, der zum 3:4 einschoss.
Von da an begann das große Zittern. Rathenow bekam vorne kaum noch Konstruktives zustande. Lediglich ein Schuss des eingewechselten Ousmane Sannoh - Schöne hielt im Nachfassen - brachte Gefahr. Ansonsten waren die Altmärker am Drücker, allerdings auch selten zwingend. Niclas Buschke brachte es freistehend nur zu einem Schüsschen, Simeon Hawwary hielt (70.). Buschkes zweite Möglichkeit resultierte aus einem Platzfehler, ein harmloser Ball änderte nach dem Aufsetzen komplett die Richtung, letztendlich aber am Kasten vorbei (81.).
In der 90. Minute kam Florian Stark nach einer Ecke zum Kopfball, setzte das Leder jedoch über den Kasten. Diesmal gab es fünf zusätzliche Minuten. In der letzten ein allerletzter langer Ball in den Rathenower Strafraum und aus 675 Kehlen schallte es : „Haaaand“. Es brüllte wirklich das ganze Stadion. Ein Glück, dass der aufmerksame Referee es richtig sah. Zuerst war nämlich ein Stendaler mit der Hand am Ball, danach Jerome Leroy. Dann war endlich Schluss. Riesenjubel auf Seiten der Gästefans, eher Erleichterung bei den Havelländer Spielern.
Ingo Kahlisch: „Ich freue mich riesig, wie viele Zuschauer von uns heute dabei waren. Vielen Dank dafür. Wir haben gewonnen, wir haben jetzt zehn Punkte, der beste Saisonstart seit vielen Jahren. Mit unserem Spiel an sich war ich überhaupt nicht zufrieden, da liegt noch ganz viel Arbeit mit der wieder sehr jungen Mannschaft vor uns. Aber heute haben wir so eine Partie mal gewonnen, da dürfen und sollen sich natürlich alle freuen. Jetzt geht der Blick auf nächste Woche, da ist Pokal, da wollen wir in die nächste Runde, das ist sehr wichtig für uns. “
Optik: Hawwary – Donner (87. Dogan/G), Reichenbach, Solak, Saribas – Aktürk (G/87. Balonier), Leroy – Isik (60. Sannoh), Langner, Hot (G) – Keles (60. Willrich)
Tore:
1:0 Philipp-Maik Witte (20.)
2:0 Rosario Schulze (31.)
2:1 Ali Ihsan Keles (41.)
2:2 Jerome Leroy (45.)
2:3 Ali Ihsan Keles (45.+2)
2:4 Maxime Langner (46.)
3:4 Philipp-Maik Witte (56.)
Gelb-Rot: Alexander Schleicher (35.) Foul/Foul
87.
),
Philipp-Maik Witte (20.),