FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

OPTIK SIEGT IM SPITZENSPIEL

Optik siegt im Spitzenspiel bei Verfolger TeBe nach einem Treffer von Cüneyt Top mit 1:0 (50.).

Am Ende war es wohl nur noch Frust. "Rathenow kann ja jar nüscht. Dit is ja nur Rumpelfußball, wat die spielen!" Der Borussen-Rentner, der sich mitten unter die trotz eisiger Kälte zahlreichen Optik-Anhänger unter den 592 Zuschauern verirrt hatte, musste jedoch mitansehen, wie sich die Gäste aus dem Havelland im Spitzenspiel zu einem Auswärtssieg "rumpelten."

Dass sich auf teils seifigem, teils gefrorenem Geläuf keine Partie für Fußballästheten entwickeln würde, war klar. Aber so schlimm wie es der weißhaarige Herr beurteilte, war es beileibe nicht. Und was dazu kommt - obwohl es um viel ging, war die Partie weitgehend fair.

Beim FSV stand Emre Turan nach nur zweimaligem Training überraschend doch in der Startformation. Für ihn begann das Spiel entspannt, denn die ersten aufregenden Szenen gab es auf der anderen Seite. Benjamin Wilcke scheiterte nach nicht einmal 180 Sekunden am erstmals im Tor stehenden Danny Kempter. Und vier Minuten später flog ein Kopfball von Murat Turhan am Kasten vorbei.

Erst nach und nach kam Tennis zu Gelegenheiten. Zwingend war das aber erst mal nicht. Die rot-weiße Defensive stand tadellos und war sich auch nicht zu schade, das Leder unter Bedrängnis einfach mal lang nach vorne zu schlagen. Zupacken musste Bjarne Rogall in der ersten halben Stunde nur, als nach einem Freistoß einer seiner eigenen Vorderleute den Ball mit dem Kopf abfälschte.

Dann kam die beste Phase der Gastgeber. Felix Robrecht (zentral) und Thiago Rockenbach da Silva (von halblinks) zielten jeweils nur sehr knapp daneben. Der FSV hatte nach diesen beiden Aktionen das Geschehen wieder unter Kontrolle, ohne selbst noch viel nach vorne zu machen. So blieb es nach 45 Minuten beim 0:0.

Erneut hatte Optik nach dem wärmenden Tee den besseren Start, diesmal kam zählbares dabei heraus. Benny Wilcke eroberte das Spielgerät auf Höhe der Mittellinie und passte auf Murat Turhan, der wiederum schnell auf Jerome Leroy weiterleitete. Der Kapitän des FSV konnte zwar von der Abwehr gestört werden, dabei kam der Ball aber genau auf Cüneyt Top. Der Ex-Borusse zog an alter Wirkungsstätte sofort ab und traf zum vielumjubelten 0:1.

Und TeBe? Jedenfalls war danach von einer totalen, bedingungslosen Offensive seitens der Hauptstädter nichts zu sehen. Natürlich hätten Statistikfreaks bei Ballbesitz, Ecken und so weiter ein klares Plus für Lila-Weiß notiert, aber wirklich echte Torgelegenheiten?

Vielleicht müssen da auch Ursache und Wirkung gemeinsam betrachtet werden. Optik Rathenow ist wohl doch nicht so ganz zufällig Erster. Hochkonzentriert, hochmotiviert, aber tiefstehend, wurden unzählige Angriffe des Verfolgers schon im Keim zunichte gemacht. Eine Klasseleistung der Mannschaft sorgte dafür, dass der ebenfalls fehlerlose Bjarne Rogall keine Chance auf den Titel des "Man of the Match" hatte. Er konnte sich nämlich nur zweimal auszeichnen. Beim Schuss von Iyad Al-Khalaf im Nachfassen, beim Kopfball von Karim Benyamina auf Anhieb.

Eine Szene gab es noch: In der 86. Minute lag der Ball nach einem Freistoß tatsächlich im Netz. Da war die Fahne allerdings längst oben. Gleich drei TeBe-Akteure standen deutlich im Abseits, auch wenn das Thomas Brdaric hinterher naturgemäß anders sah. Schiedsrichter Richard Hempel aus Großnaundorf lag da aber richtig, wie er ohnehin mit einer unauffälligen Spielleitung auf beiden Seiten nur selten in die Kritik geriet. Spieler, Offizielle und Fans des FSV zürnten ihm eigentlich nur in der 90. Minute, als der Referee gleich drei Nachspielminuten anzeigte. In denen passierte nichts mehr, dann folgte nur noch Jubel.

Ingo Kahlisch musste nach eigenem Bekunden "erst einmal durchatmen": "Die Jungs haben das heute hervorragend gemacht. Wir haben versucht, aus der Ordnung heraus einfach zu spielen, was bei schwierigen Bodenverhältnissen nicht einfach war. Für mich war das ein normales Oberligaspiel, es gibt noch keinen Grund zu feiern. Ich habe in meiner Trainerzeit schon so viel Mist erlebt. Wir haben noch 15 schwere Spiele vor uns, es wäre doch respektlos zu glauben, wir würden Zehlendorf, Lichtenberg oder Brandenburg mal eben wegschießen. Wer bei Optik denkt, dass wir heute aufgestiegen sind, ist hier fehl am Platz! Ach ja, ich mache das ja sonst nicht so oft, aber wenn ihr beste Spieler braucht - Oscar Ortiz, Benny Wilcke und Marc Langner bekommen heute ein Extralob."

Thomas Brdaric: "Meine Mannschaft hat versucht, Platz und Gegner anzunehmen und zu bespielen. Wir hatten ja auch zwei klare Chancen, die wir aber nicht gemacht haben. Wenn wir in Führung gehen und uns aufs Verteidigen konzentrieren können, haben wir zuletzt immer gewonnen. Beim Gegentor haben wir uns sehr dämlich angestellt, verlieren mehrere Zweikämpfe. Rathenow hat ein Tor geschossen, wir waren geschockt und haben nicht mehr richtig reingefunden. Dann machen wir ja auch noch ein Tor, das war für mich kein Abseits. Also - schlechter Platz, schlechte Torausbeute und dann kommt noch hinzu, dass der Schiedsrichter die eine oder andere Situation anders beurteilt hat. Aber wir werden weiter hart arbeiten, um oben dran zu bleiben. Ingo, trotzdem alles Gute!"

Bilder vom Spiel

Weitere Bilder sowie Spielszenen

Stimmen zum Spiel

Optik: Rogall - Watanabe, Turan, Bilbija (G), Wilcke - Ortiz, Langner - Top (71. Kapan/G), Leroy, Özcin (88. Adewumi) - Turhan (90.+2 Baudis)

Tor: 0:1 Cüneyt Top (50.)