FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

LANDESPOKAL

OPTIK VERLIERT POKALKRIMI

Optik verliert im Pokalviertelfinale gegen Babelsberg knapp mit 0:1.

Der Normalfall ist eingetreten: Oberligist Optik Rathenow unterlag im Landespokal gegen den in der Regionalliga spielenden SV Babelsberg 03. Die Partie hatte vieles, was einen Pokalfight so besonders macht: Spannung, Dramatik, Kampf - nur tolle Straraumszenen hätten es ruhig ein paar mehr sein dürfen. Aber da hatten zwei gute Abwehrreihen etwas dagegen.

Bis kurz vor dem Anpfiff regnete es, dazu kam, dass es der 11.11. war und Babelsberg längst nicht mehr so viele Fans wie früher mobilisiert. So waren es zwar "nur" 634 zahlende Zuschauer, die verhielten sich auf den Rängen aber durchweg positiv, feuerten ihre Teams leidenschaftlich an. Das war dann auch das beste in der ersten halben Stunde. Ansonsten wird man sich in einigen Tagen nur noch an die Oberschenkelverletzung von 03-Kapitän Philip Saalbach schon nach zehn Minuten und eine mit Gelb bestrafte Schwalbe von Mike Eglseder erinnern.

Das lag jedoch nicht an schlechtem, unwilligen oder unfairen Agieren der Kicker. Nein, beide Formationen zeigten in der Defensive tadellose Leistungen und ließen einfach nichts zu. Zeitweise wirkte der klassentiefere Gastgeber sogar leicht überlegen, ehe sich gegen Ende der ersten Hälfte das Geschehen in die erwartete Richtung verschob.

War es zunächst Aleksandar Bilbija, der einen Kopfball aus dem Gewühl auf der Linie klärte, zeigten kurz darauf beide Torhüter eine Klasseparade. Erst Bjarne Rogall gegen den für Saalbach eingewechselten Tino Schmidt, dann Marvin Gladrow gegen den Schuss von Jerome Leroy aus spitzem Winkel. Beide rissen rechtzeitig die Fäuste hoch. Ansonsten zeigte sich der FSV-Keeper sehr fangsicher, während Gladrow den nassen Ball bei nahezu jeder Eingabe faustete. Das aber sehr gekonnt und weit, also durchaus ein probates Mittel.

Aus der Kabine kam Potsdam druckvoller. Den Versuch von Erdal Akdari parierte Rogall, fünf Minuten später war er machtlos. Nach guter Vorarbeit von Sven Reimann blieb Manuel Hoffmann vor dem Tor ganz cool und schloss überlegt zum 0:1 ab.

Rathenow ruckte sofort an, Murat Turhan schoss aber leider zwei Meter zu hoch. Dann schien es ein so typisches Duell zweier in verschiedenen Ligen spielenden Mannschaften zu werden. Hier der laufstarke, kämpferisch alles gebende Underdog, da der abgeklärte, auf Konter wartende Favorit.

Zwanzig Minuten vor Schluss war es damit vorbei. Babelsbergs bester Stürmer Andis Shala blieb im Duell mit Emre Turan und Aleksandar Bilbija hängen. War es Frust? Schon vor der Pause hatte Shala mehrfach Mitspieler nach mißratenen Aktionen angepöbelt. Jedenfalls trat der Stürmer gegen Bilbija übel nach und flog nach dieser dummen Aktion folgerichtig mit glatt Rot vom Platz.

Das war der Auftakt zu einer hektischen Schlussphase, in der Optik alles probierte. Nun zeigte Babelsberg hohe taktische Qualitäten. Denn, so ehrlich muss man sein, die Oberligaspieler erarbeiteten sich genau eine wirklich klare Chance. Beim Schuss von Turhan aus der Drehung fehlten nur die berühmten Zentimeter, aber sie fehlten halt.

In der Nachspielzeit gab es noch mehrere Eckbälle für den FSV, bei denen sogar Torhüter Bjarne Rogall mit vor das gegnerische Tor eilte. Da bei der letzten dieser Ecken in den Satz: "An den kam Rogall mit dem Kopf" wieder das Wörtchen "fast" eingefügt werden muss, blieb es schließlich beim knappen, aber insgesamt verdienten Sieg für Babelsberg.

Und, nein, Schiedsrichterschelte kommt nicht. Henry Müller agierte in einer umkämpften Partie mit rassigen Zweikämpfen so unauffällig wie möglich. Von den sieben Verwarnungen waren auch mehrere wegen Schwalben, Zeitspiel und Ballwegschlagen. Und das ahndete der Referee konsequent auf beiden Seiten.

Almedin Civa: "Es war klar, dass Optik, in der Liga ungeschlagen, hier mit breiter Brust antreten würde. Rathenow war stabil und kompakt und für uns fing es mit der Verletzung von Saalbach doof an. Spielerisch kam vielleicht von uns ein bisschen mehr, von den Chancen war es fast ausgeglichen. In der zweiten Halbzeit waren wir bis zum Tor stark. Dann kam die Rote Karte, nachher war es eine Schlacht. Optik machte Druck, wir haben mögliche Konter nicht gut ausgespielt. Aber auch in Unterzahl haben wir nur eine echte Chance zugelassen. Taktisch war das gut, auf dem schweren Boden muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment für den Kampf machen."

Ingo Kahlisch: "Für die Zuschauer war es sicher spannend, für uns war es mal ganz anders, als in der Oberliga, wo wir Spiele oft dominieren. Das war schon ein Gradmesser, woran wir für die sportliche Zukunft arbeiten müssen. Wir haben gegen eine Mannschaft aus dem Mittelfeld der Regionalliga kaum Chancen zugelassen, wollten selbst über außen Druck machen und Murat Turhan in der Mitte in Szene setzen. Das ist uns allerdings fast gar nicht gelungen. Auch von mir ein Kompliment für meine Mannschaft, aber wenn wir den nächsten Schritt machen wollen, müssen wir schauen, was war gut und was war nicht gut. Und dann heißt es Kräfte bündeln für den Aufstieg in die Regionalliga, wenn wir hier weiter leistungsorientierten Amateurfussball wollen. Aber enttäuscht bin ich heute nicht."

Bürgermeister Ronald Seeger: " Auch ich bin nicht enttäuscht, sondern froh, hiergewesen zu sein. Man hat gesehen, wir können uns durchaus mit Babelsberg messen. Wir behalten das Ziel Regionalliga im Auge und dann geht es erneut gegen Babelsberg."

Bilder vom Spiel

RATHENOW: Rogall - Watanabe (80. Tasar), E. Turan, Bilbija, Wilcke - Ortiz (G), Langner - Weber (G/80. Yildiz), Leroy (G), Top (84. T. Turan)- Turhan

BABELSBERG: Gladrow - Okada, Eglseder (G), Wilton, Akdari - Reimann (G), Saalbach (12. Schmidt/G) - El-Jindaoui (66. Salla), Abderrahmane (G), Hoffmann (72. Knechtel) - Shala (69. R)

TOR: 0:1 Hoffmann (56.)